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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1892-01-01 · Heft 3 · p. Seite 397

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1892
Issue
Heft 3
Article
Über Moses Mendelssohn
Date
1892-01-01
Page
Seite 397 (sequence 3)
Language
German
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Geiger: Ueber Moses Mendelssohn. 397 Wichtige mit wunderbarer Geschicklichkeit zu verschweigen versteht, recht interessant. Von dieser Reise nach Potsdam war bisher nichts bekannt. Auch nichts Bestimmtes über die Beziehungen Mendelssohns zu Baron von Fritzsche, der nur, wie man aus einer Notiz (Kayserling 2. Aufl. S. 273) wußte, Mendelssohns „Lob stets im Munde sühne". 2. Ein Zeitgenosse über Mendelssohn (1784). I. H. Landolt, ein Züricher, der 1782—1886 eine große Bildungsreise in das nördliche und westliche Europa unternahm, berührte auf dieser auch Berlin. Er hat über seine Wanderung ein großes Reisejournal ge-? führt, das mir durch den Enkel, Geb. Rath Prof. Landolt in Berlin, freundlichst zur Verfügung gestellt worden ist. (Andere Proben dieses Journals über den Aufenthalt in Fft., Halle, Leipzig, Weimar, mi!getheilt von E. Dümmler im Goethe-Jahrbuch Bd. XIII. und im Neujahrsblatt des Vereins für die Geschichte der Provinz Sachsen.) Der jugendliche Reisende — er war beim Antreten seiner europäischen Wanderschaft erst 19 Jahre alt — suchte überall die berühmten Männer auf nach der Unsitte jener Zeit und wünschte von den öffentlichen Zuständen durch eigene Anschauung Rechenschaft zu erwerben Sein Urtheil ist nicht immer richtig, seine Beobachtungen nicht eben neu; als Mittheilungen eines Zeitgenossen haben jedoch die anspruchslosen Aufzeichnungen Werth und Reiz. Sein Aufenthalt in Berlin dauerte vom 8. Mai bis 1. Juni 1784. Am 11. Mai schreibt er: „Herrn Moses Mendelssohn trafen wir in seinem Comtoir an; er treibt einen nicht unbeträchtlichen Hände! in Seide. Sein äußerliches hat gar nichts einnehmendes; er ist hinten und vorn verwachsen und seine Miene ist — von der Seite betrachtet, ganz jüdisch; — allein sobald sie sich entfaltet, sowie er anfängt zu sprechen, so wird sie angenehm und geistreich". Am 13. nach einem Besuch bei Chodowiecki „Bei dieser Gelegenheit erinnere ich mich einer artigen Anekdote, die man von Herrn Moses erzählt. Dieser Weltweise ging einst des Abends hier unter den Linden spazieren; ein Offizier von den 6eus Zarmes, der ihn wegen seines schlechten Aeußern für einen gemeinen armen Juden hielt, fragte ihn so mit einem spöttischen Lächeln: Jüdchen, gibts nichts zu schachern, nichts zu handeln? Nein, antwortete Moses, ich habe nichts. Wie, versetzte der Offizier, Du hast nichts zu schachern? Handelst Du denn gar nicht? Ja, mit etwas handle ich frehlich, war die Antwort, das aber Ihnen gewiß nicht anstehn würde. Wie wolltest Du das wissen, Du närrischer Kerl. Nu, so sag doch einmal, worin dein Handel besteht; sagte der Offizier. Ich handle mit Vernunft, antwortete Moses, und in diesem Artikel weiß ich, werden wir gewiß nicht mit einander handeln, denn Sie bekümmern sich ja um denselben nicht viel. 26*

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