Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1892
- Issue
- Heft 3
- Article
- Mittheilungen aus Jesuitendramen
- Date
- 1892-01-01
- Page
- Seite 387 (sequence 4)
- Language
- German
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Ellinger: Mittheilungen aus Iesuitendramen. 387 Hier bricht die Inhaltsangabe ab, doch ist es nicht schwer, aus dem Erhaltenen sich den fehlenden Theil zu ergänzen. Die Charakteristik der Juden ist, wie es bei der Absicht, die der Verfasser mit dem Stücke verfolgte, ja gar nicht anders sein konnte, absichtlich ins Niedrige und Possenhafte gearbeitet — Züge, die durch die Einfügung der jüdischen Knechte noch gesteigert werden. Der dämonische Christenhaß, den die recht unglaubwürdige Erzählung den Juden zuschreibt, kommt allerdings weniger zum Ausdruck, als man nach der ganzen Anlage des Stoffes annehmen sollte. — War nun aber eine Neigung zur Bearbeitung derartiger Geschichten bei den jesuitischen Dramatikern vorhanden, so mußte es für sie nahe liegen, auch auf die alte Erzählung zurückzugreifen, in der ein Jude aus Christenhaß sein eignes Kind aus grausame Weise umbringen will. Die Legende von dem durch die Mutter Gottes geretteten Judenknaben ist in zahlreichen Denkmälern vieler europäischen und einiger orientalischen Sprachen behandelt worden, und den zahlreichen Bearbeitungen, unter denen sich wie bekannt auch zwei deutsche befinden, ist E. Wolter in seiner vortrefflichen Untersuchung: Der Judenknabe, Halle 1879, mit außerordentlichem Fleiße und großer Sorgfalt nachgegangen. Eine dramatische Behandlung des so vielfach verwerteten Stoffes war bis jetzt nicht bekannt und deshalb wird es wohl gerechtfertigt sein, wenn wir hier das kleine Stück als den letzten Ausläufer einer weitverzweigten Literatur seinem ganzen Umfange nach mittheilen. Bon seinen Vorgängern führt der Verfasser des Stückes nur an NLeexnoi-ns Lallistus Kirchengeschichte XVII. 25. und Gregor von Tours, äs (Gloria Nai-t^rum e. 8. (Beide Stellen sind bei Wolter a. a. O. abgedruckt.) Vergleicht man nun das kleine Drama mit diesen zu Grunde liegenden Texlesstellen, so läßt sich nicht in Abrede stellen, daß der Verfasser mit Glück versucht hat, den Stoff anmuthig auszugestalten, die einzelnen Ereignisse besser zu motiviren und sie in einen gewissen Zusammenhang mit einander zu bringen. Die Verknüpfung der einzelnen Thatsachen ist mit Geschick hergestellt, und der Aufbau des Stückes läßt eine bühnensichere Hand erkennen. Wir lassen nunmehr den Text folgen: Summarischer Inhalt der Action von einem Jüdischen Knäblein. . . Gehalten zu Constanz in dem (Z^mvasio der Soeietet ^ssn den 2. 0etodri8 16341).?1'0I0^U8. Zwen Knaben ein Jud vnd ein Christ Mitten, welcher theil in dieser Lotion das beste gewinnen werde, der Jüdische vermeint ein richtiges spil zu haben, weil der Christenheit vnnd jhrer Cemmunion zu ') Constanz 1634.