Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1892
- Issue
- Heft 3
- Article
- Mittheilungen aus Jesuitendramen
- Date
- 1892-01-01
- Page
- Seite 385 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Sllinger: Mittheiluuqen aus Jesuitendramen. 383 nach der Sage als zweiundeinhalbjähriges Kind von einem jüdischen Arzt am 24. März 1475 in das Haus eines reichen Juden gelockt und hier unter Lästerungen ermordet; den Juden erpreßte man durch die Folter ein Geständniß und richtete sie unter entsetzlichen Martern hin; der getödtete Knabe wurde unter Gregor XIII. canonisirt. Der h. Andreas zählte ebenfalls etwa drei Jahre (nach dem Heiligenlexikon von Stadler war er erst 18 Monate alt), als der Mord an ihm begangen wurde. Seine Mutter hatte ihn nach dem Tode ihres Mannes zu ihrem Gevatter in Pflege gegeben. Hier sahen ihn jüdische Kaufleute, die nach Bozen zogen; sie faßten sogleich den Plan, den Knaben zu ermorden und suchten seinen Pathen dazu zu bewegen, ihnen den Knaben auszuliefern, indem sie vorgaben, daß sie ihn zur Kaufmannschaft erziehen wollten. Nach langem Drängen gab endlich der Mann, gelockt von dem Geld, das ihm die Juden anboten, nach und überlieferte ihnen den Knaben, den sie in dem nächsten Wald sofort tödteten und an einem Baum aufhängten. Die Mutter, die unterdessen auf dem Felde gearbeitet hatte, wurde durch drei Blutstropfen geschreckt, die aus der Lust auf ihre Hand fielen. Eine unerklärliche Angst bemächtigte sich ihrer: sie eilte nach Hause, erfuhr das Vorgefallene und suchte sofort die jüdischen Kaufleute noch zu erreichen. Als sie aber in den Wald gekommen war, fand sie ihr Kind schon todt vor. Auf ihr Jammergeschrei fanden sich viele Leute zusammen; man hob den Knaben auf und trug ihn unter Zeichen der Verehrung nach dem Dorf. Die Thäter konnte man nicht erreichen, dagegen wurde der ungetreue Pathe in Ketten gelegt und ist hier im Wahnsinn gestorben. Leider haben sich von dem Scenarium des Stückes nur zwei Seiten erhalten; ich Lheile sie in dem Folgenden mit: „^roIoAus. Der Schutzengel von Throl erfreut sich, vnd wünscht diser sehner Provintz Glück, wegen so viler Heiligen, mit welchen sie versehen ist. Vermeldt darneben, daß in gegenwertiger ^etion einer sürzustellen sey. Daher loben zwen Schutzengel vnder anderen zwen Heiligen insonderheit, der ain zwar Simonem das Kindlein von Triendt, Der ander aber Andream das Kindlein von Rinn, vnd wünschen bayde, daß von jhrem Kindlein diese Tragoedi gehalten werde. Werdt aber Andreas, als welcher noch unbekandter, vorgezogen, vnd darumb erzehlen sie kürtzlich mit einandern den Verlaufs seiner heiligen Marter. Der erste Thail. Seena I. Maria deß vnschuldigen Kindleins Andreae Mutter beklaget jhr Armuet vnd Wittibstandt. Seena II. Aber der Schutzengel Andreä tröstet sie mit ermahnen, darneben auch aufs jhr Kind auet acht habe, vnd es einem vertrawten Mann zu erziehen anbefelhe. Darumb spricht sie dessen an Radulphum deß Kindes Taufgötte,