Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1892
- Issue
- Heft 3
- Article
- Mittheilungen aus Jesuitendramen
- Date
- 1892-01-01
- Page
- 384 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Mittheilungen aus Jesuitendramen. Von G. Ellinger. Den Leistungen der Jesuiten auf dem Gebiete des Dramas, die früher unverdienter Vernachlässigung anheimgefallen waren, geht man jetzt mit regem Eiser nach. Die belehrenden, wenn auch nicht immer ganz zuverlässigen Aufzählungen der auf der Münchener Staatsbibliothek sich befindenden Scenarien von Jesuitendramen, die wir Wellers Sammelfleiß verdanken (Serapeum, 1864 f.), geben einen Begriff von dem Reichthum und der Ausdehnung dieses Zweiges der dramatischen Produktion Deutschlands. Auch das Stoffgebiet, dessen Erforschung diese Zeitschrift gewidmet ist, wird berührt, und so möge es erlaubt sein, von zwei hierher gehörenden Stücken an dieser Stelle Bericht zu erstatten. Dieselben befinden sich ebenfalls als Scenarien auf der Münchener Staatsbibliothek. Schon im Drama des sechszehnten Jahrhunderts wurden die angeblichen Christenmorde der Juden zum Gegenstände dramatischer Behandlung gemacht, so z. B. im Endinger Judenspiel. Das Drama der Jesuiten, das sich in Stoff und gelegentlich auch in der Form viel enger an das deutsche Drama des 16. Jahrhunderts anschließt, als man gewöhnlich anzunehmen geneigt ist, setzt also auch in dieser Beziehung nur eine der bereits in der dramatischen Litteratur des Reformationszeitalters vorhandenen Richtungen fort, wenn es einen der vorgeblichen Morde von Christenkindern durch Juden auf die Bühne zu bringen sucht. Das betreffende Scenarium ist leider nur fragmentarisch erhalten; es führt den Titel: „Summarischer Inhalt der Action von dem h. dreyjärigen Kindlein ^.uärea, welches zu Rinn nit weit von Hall im Anthal gelegen, von den Juden gantz listig entführt, vnd ^nuo Okristi 1462 im Monat Julio grausam gemordet worden." Das Stück selbst ist am Gymnasium der Societät zu Hall im Jahr 1621 aufgeführt worden. In der Einleitung berichtet der Verfasser, er sei zweifelhaft gewesen, ob er den h. Simeon von Trient oder den h. Andreas dramatisch hätte behandeln sollen, er habe aber zuletzt das Geschick des h. Andreas gewählt, weil dieser weniger bekannt sei. In der That haben die beiden Erzählungen eine gewisse Ähnlichkeit mit einander. Der h. Simon oder Simeon von Trient wurde