Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1892
- Issue
- Heft 3
- Article
- Aus Inschriften des alten Prager Judenfriedhofes
- Date
- 1892-01-01
- Page
- Seite 350 (sequence 3)
- Language
- German
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350 Neue Mittheilungen. den zeigen wird, dürfte geeignet sein, ein einigermaßen richtiges Bild von dem jüdischen Leben vergangener Jahrhunderte zu vermitteln und gewissen traditionellen Anschauungen den Grund zu entziehen. Die Anordnung der Arbeit ist schon aus dem Titel ersichtlich. Es werden zunächst die eigentlichen Handwerke, die der Bekleidung, Beköstigung und Behausung dienen, zusammengestellt. Hierauf folgen andere Erwerbsarten und Ämter, insbesondere soweit sie das soziale Leben beleuchten. In dem folgenden Abschnitt werden Kunst, Kunstgewerbe und Verwandte behandelt. Daß hier und nicht etwa unter den Gelehrten die Ärzte aufgenommen werden wird um so weniger auf Widerspruch stoßen, als erst jüngst ein gewiß Berufener — Theodor Billroth — für den ärztlichen Beruf die Bezeichnung eines Kunstgewerbes in Anspruch genommen hat. In einem darauf folgenden Abschnitte soll dann das übrige specifisch Culturhistorische verwerthet werden. Hier wird auch eine Zusammenstellung der aus andern Orten Vertriebenen sowie der überaus beträchtlichen Anzahl derjenigen gegeben, welche den „Namen Gottes geheiligt haben", d.h. infolge ihres Bekenntnisses eines gewaltsamen Todes gestorben sind. Den Abschluß soll das eigentlich Biographische und Literaturgeschichtliche bilden. Über die Grabsteine selbst ist wenig zu sagen. Die Inschriften sind zum großen Theil in Hoch-Relief, nicht allzuviele in Tief-Relief ausgeführt. Eine Entwicklung des Schriftcharakters giebt es ja nicht. Es verdient hervorgehoben zu werden, daß es einem jüdischen Steinmetz, soweit die Inschriften selbst dies beurtheilen lassen, nicht gegeben hat. Daher die sehr häufigen Verwechselungen äußerlich ähnlicher Schriftzeichen. Von den zwölfhundert Inschriften, welche in dieser Arbeit verwerthet erscheinen, konnte natürlich nur ein kleiner Theil im Original wiedergegeben werden. — Eine vollständige Publikation bleibt ja vorbehalten. Die Betrachtung des Sprachgeschichtlichen aber, um es so zu nennen, lag völlig außerhalb des Rahmens dieser Arbeit. Sie würde wohl nur zu demeinen Resultate gelangt sein, daß ein klassisches Hebräisch auf diesen Inschriften nicht zu finden ist, dagegen häufige Verstöße gegen elementare grammatische Regeln, th'örichte Wortspielereien und ein gezwungener Witz, der bei dieser Gelegenheit einen um so sonderbareren Eindruck macht, je weniger er angebracht ist!) Die beigefügten Jahreszahlen bedeuten immer das Datum der Inschrift, auf der die betr. Person genannt erscheint, es ist nicht immer die eigene Grabschrift. Wo die Zahl zu groß war, wurde eine Periodeneintheilung vorgenommen.