Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1892
- Issue
- Heft 3
- Article
- Aus Inschriften des alten Prager Judenfriedhofes
- Date
- 1892-01-01
- Page
- Seite 349 (sequence 2)
- Language
- German
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Popper: Aus Inschriften des alten Prager Judenfriedhoss. 349 Lieben 170 selche Inschriften heraus^). Die Arbeit wurde später oster aufgenommen und in besonders verdienstlicher Weise beteiligte sich der bekannte Prager Altertums forscher David Podiebrad an derselben. Doch rückte sie bis zum Jahre 1876 nicht besonders vorwärts. In diesem Jahre übertrug die Beerdigmigs-Brüderschast dem Vater des Schreibers, Leopold M. Popper, die Fortsetzung der Arbeit. Mit eisernem Fleiße, zäher Energie und unter Überwindung zahlloser Schwierigkeiten arbeitete er 5 Jahre unermüdlich bis zur Vollendung des Werkes. In diesem Zeiträume wurden 10.134 Epitaphien entziffert uud copisrt?). Es ist wohl nur eine Pflicht, diesem Manne, der Zeit seines Lebens zu bescheiden war, die ihm gebührende Anerkennung zu beanspruchen, und wie er selbst in einem Nachworte sagt: diese mühselige Arbeit nur zur Ehre Gottes und Förderung der jüdischen Wissenschaft unternommen, ein Wort ehrenden und dankbaren Erinnerns zu widmen. — Aus der reichen Fülle des geschichtlich Bedeutsamen kann hier, wie natürlich, nur ein kleiner Ausschnitt gegeben werden. Aber der Schreiber glaubt doch nicht länger wenigstens einen Theil dieser Arbeit vorenthalten zu dürfen, die das Horazische nonum prematur in anvnm nun schon wirklich hinter sich hat. — Die Richtung, in der sich diese Arbeit zuvörderst bewegt, bedarf noch eines erklärenden Wortes. Ein anschauliches und in allen Theilen getreues Bild vergangener Zeit und abgeschlossener Entwicklungen zu geben wird immer mehr als die Aufgabe der Geschichtschreibung begriffen. Hierbei muß die Cultur- und Wirthschaftgeschichte in den Vordergrund treten; soll das Bild treu sein, dann muß auch, wie man heute sagt, das Milien sorgfältig dargestellt sein. Taß die Geschichte der Juden viele solche Culturbilder, die dem intimen Leben vergangener Zeit nachgingen, besäße, kann man nicht gerade sagen. — Meister Dropsen sagt irgendwo, der Geschichtsschreiber muß mit dem Künstler den Blick für das Wesentliche gemein haben. Gewiß! fragt sich nur, was das Wesentliche sei. — Nicht immer ist es das, was in die Augen fällt, die Haupt- und Staats Action. Wie wichtig die Art des Erwerbes und das Erwerbsleben ist, braucht heute gewiß nicht auseinandergesetzt zu werden. Die Mannigfaltigkeit der Erwerbszweige innerhalb einer einzigen jüdischen Gemeinde, die sich im solgen- ') Oal-Tc! (170) Grabsteininschriften des Prager isr. alten Friedhofs mit biographischen Notizen herausgegeben von Koppelmann Lieben. Mit einer umfangreichen Einleitung von Rappoport. Prag 1856. Während des Druckes dieser Arbeit ist dieser verdiente und liebenswürdige Gelehrte gestorben. Ehre seinem Andenken! -) Diese Zahl erhöht sich noch um ein Bedeutendes durch den Umstand, daß auf einem Stein sehr oft mehrere Inschriften angebracht sind.