Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1892
- Issue
- Heft 3
- Article
- Zur Aufhebung des Leibzolls in Nassau
- Date
- 1892-01-01
- Page
- Seite 337 (sequence 3)
- Language
- German
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Silberstein: Zur Aufhebung des LeibzoLs in Nassau. ZZ7 Kurz darauf, am 29. Oktober 1801, wurde noch ein Bittgesuch um Aufhebung dieser entwürdigenden Abgabe dem Fürsten von Nassau-Weilburg übergeben, das von einem angesehenen Juden in Weilburg, L'öw Herz, Namens der Juvenschast der Stadt Weilburg und des combinirten Amts Weilburg sowie des Amts Atzbach gezeichnet war. Es lautet: „Durchlauchtigster Fürst, Gnädigster Fürst und Herr! Nicht leicht wird, bei Erwähnung der Borzüge des jetzigen Zeitalters vor dem hingeschiedenen, Jemand unter uns dessen vergessen, daß Staaten und Regenten von dem Grundsatze abgewichen sind, Unterthanen als bloße Gegenstände für Finanzoperationen zu betrachten. Vortreffliche Anstalten aller Orten liefern die unzweideutigsten Beweise, wie sehr man mit festem Fuße aus dem eingeschlagenen schönen Wege fortgeschritten ist, in dem Menschen immermehr den Menschen zu ehren, die Anlagen zur Moralität und Sittlichkeit zu cultiviren und ihn zu höheren Zwecken, den einzigen wahren Zwecken seines Daseins, vorzubereiten. Und dies ist nicht etwa das Werk einzelner Privaten, sondern es geschieht unter Aufsicht und auf Kosten des Staates, dessen Glück nicht sowohl in der Menge und Wohlhabenheit seiner Glieder, als in deren Cultur und sittlichen Ausbildung bestehen kann. Soviel aber auch schon in dieser Hinsicht für die Menschheit im Allgemeinen geschehen sein mag, so wenig kann doch in Abrede gestellt werden, daß für die Bekenner der jüdischen Religion, wie wohl auch Kinder des Staates, von einer Sonne, wie alle christlichen beschienen, von Staatswegen weder für bürgerliche noch sittliche Verbesserung bei uns wenigstens gar nichts geschieht, sondern diese bleiben immerfort ihrem eigenen traurigen Schicksal, dem Gewichte einer großen Bedrückung, unter anderem auch noch den Folgen des barbarischen, längst veralterten (sie!) Vorurtheils unterliegen, wonach vom Religionsfanatismus verwirrte Kaiser sich befugt hielten, alle Juden, wenn sie wollten, umzubringen und zwar verbrennen zu lassen bis auf einige wenige zu einem beständigen Andenken. 5) Ew. Hochfürstliche Durchlaucht, Höchstdero milde, edeldenkende und menschenfreundliche Gesinnungen die Nassauischen Unterthanen von Tag zu!) Eine Anspielung auf die bekannte, oft citirte Urkunde, die im Auftrage des Kaisers noch Albrecht Achill, Kurfürst von Brandenburg, 1462 für das deutsche Reich erläßt, um die Schätzung für den Kaiser im Reiche einzutreiben, „es sei kundig im Reich, so ein Römischer König wird erkorn oder so er zu keyserlich Wirde kompt und gekrönt wird, daß er die Juden alle mag brennen nach altem Herkommen oder Gnad beweisen, den dritten Pfennig ihres Guts zu nehmen, damit sie ihr Leben retten" u. s. w.