Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1892
- Issue
- Heft 3
- Article
- Aus Straßburger Judenakten
- Date
- 1892-01-01
- Page
- Seite 321 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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Breßlau: Aus Straßburger Iudenakten. 321 gegeben: er bitte den Rath das Büchlein, so der Stadtschreiber nunmehr lange Zeit hinter sich gehabt, besichtigen zu lassen, und wenn nichts wider jemand, sonderlich wider den Rath darin gefunden würde, ihm ein Zeugniß zu geben, daß er den Rath nicht damit erzürnt habe, da ihm die Juden auferlegt hätten sich deshalb zu entschuldigen. Leider ist der Beschluß des Rathes in der flüchtigen Schrift des StadLschreibers Johann Meyer schwer zu lesen') und nicht ganz klar gefaßt; er lautet so: ^Erkhandt: die Herren so über die examination gesetzt, das zu besichtigen und Hieher pringen (?), was es sey, im mögen urkhund zu geben'. Zwei Jahre später hätte Josel über neue und heftigere Angriffe auf seine Glaubensgenossen Klage zu führen. 1543 erschien Luthers grausame Schrift ^Von den Juden und ihren Lügen'; noch im gleichen Jahre folgte der Tractat ^vom Schein Hamphoras', der in jener Schrift bereits angekündigt war. Beider Grundgedanken sind oft beleuchtet worden^); ihre Wirkung ist bekannt: noch heute macht sie sich in weiten Kreisen fühlbar. Solchem Gegner gegenüber waren die Juden wehrlos. Ihren Behauptungen versagte man den Glauben, ihre Beweisführung weigerte man sich zu hören. Josel hat in diesem Jahre dreimal versucht, tapfer die Sache seiner Glaubensgenossen zu vertreten: sehen wir mit welchem Erfolge. Am 28. Mai 1543 wurde im Straßburger Rath eine umfangreiche Supplik Josels von Rosheim vorgetragen. Sie erinnert an die Vorgänge des Jahres 1537 und an die Empfehlungen, die damals der Rath und Capito dem Bittsteller aus den Weg nach Sachsen mitgegeben haben. Dann berichtet sie, was wir schon wissen, daß Luther damals abgelehnt hat, Josel zu empfangen und klagt über das <grob unmenschlich Buch', das der Reformator jetzt habe erscheinen lassen ^mit scheltworten und laster . . . deß sich, ob Gott will, bey unserm glauben und gemeiner judischheit mit worheit nit befinden würt'. Josel erklärt, wie er einst vor Karl V. Magarita widerlegt habe, so wollte er auch jetzt, wenn Gott ihm Gesundheit und Leben verleihe, die größten und wichtigsten dieser Anklagen ^mit hilf deß Allmechtigen und sprich der Propheten stedlich worhaftig vor allen hochgeleerten gehorsam verantworten, doran E. G. und andere all hoch oder rudere stende ein gnedigs guten gefallen werden haben'. Zunächst aber fürchtet er die unmittelbare Wirkung von Luthers Schrift im Straßburger Gebiet. Schon lästerten und schmähten etliche der Unterthanen der Stadt die Juden und sprächen man solle sie totschlagen; man drohe einen Neudruck der ') Ohne die gütige Unterstützung des Herrn Stadtarchivars vr. Mnckelmann würde ich an die Entzifferung dieser Rathsprotocolle mich überhaupt nicht haben wagen können. -) Vgl. Geiger in dieser Zeitschrift II, 326.