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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1892-01-01 · Heft 3 · p. Seite 320

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1892
Issue
Heft 3
Article
Aus Straßburger Judenakten
Date
1892-01-01
Page
Seite 320 (sequence 14)
Language
German
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320 Breßlau: AuS Straßburger Iudenakten. Sabbath daraus vorgelesen werde. Damit er nun aber vor übler Nachrede gesichert sei, als ob er in diesem Büchlein Schmähungen oder Ehrverletzungen gegen irgend jemand vorbringe, habe er dasselbe ins deutsche übersetzen lassen und dem Straßburger Stadtschreiber übergeben. Sofern darin etwas gefunden würde, was zur Widerwärtigkeit gereichen könnte, wollte er das abstellen; wenn dies aber nicht der Fall und die Schrift dem Rath nicht zuwider sei, so bitte er darüber um ein gnädiges urkundliches Zeugniß. Issels Schrift ist, soviel wir wissen, nicht gedruckt worden, und ihr vollständiger Text ist weder in hebräischer noch in deutscher Sprache erhalten. Dieser Verlust ist sehr zu bedauern, da wir apologetische Schriften, in welchen die Juden sich gegen ihre Ankläger vertheidigen, aus dieser Zeit sonst meines Wissens nicht besitzen'). Aber wenigstens ein kurzer Auszug daraus ist im Straßburger Stadtarchiv aufbewahrt und verdient wohl, daß er vollständig mitgetheilt werdeDer Auszug ist auf der Außenseite bezeichnet als 'Summarischer Extract aus Jößlin oder Josephi Juden zu Roßheim Trostschrift an seine Brüder wider Buceri Büchlein'. Der Extract beginnt mit n. 9, sodaß der Anfang verloren zu sein scheint, und reicht bis n. 36; soviel Artikel scheint also die Schrift Josels gezählt zu haben. Der Verfertiger des Auszuges hat sich leider zumeist daraus beschränkt, den Inhalt der einzelnen Artikel mit kurzen Schlagworten zu skizziren. Ausführlich giebt er nur den 15. Artikel wieder, in welchem Josel vom Wucher handelt; auch hier bleibt der Verfasser durchaus seinem uns schon bekannten Grundsatz getreu, daß man den Juden, die mit so schweren Lasten unter den Völkern beladen seien, die Möglichkeit von ihrem Gelde mäßige Zinsen zu nehmen lassen müsse. Ebenso entschieden aber tadelt er auch die Unverständigen, welche sich nicht mit dem erlaubten Maß begnügen und darum ihren Brüdern solche Anfeindung zuziehen: er erklärt ihr Gebühren aus der allgemeinen Verderbniß der Welt, in der Habsucht, Untreue und Hoffahrt überhand genommen haben. In ausführlicher Weise scheint er in den letzten Abschnitten der Schrift gegen Margarita po!emisirt und zu diesem Zweck eine Erläuterung der von diesem verdächtigten jüdischen Gebete und Ceremonium gegeben zu haben. 'Seid fromm und leidet auch, so werdet ihr vor Martin Butzers Rathschlag wohl bleiben': das ist der Grundgedanke der Schrift, der einmal ausdrücklich ausgesprochen wird.. Das Gesuch Josels ist am 9. März 1541 im Straßburger Rath vorgetragen. Im Rathsprotocoll wird ein kurzes Referat aus der Supplik ') Vgl. Geiger in dieser Zeitschr. II, 328. 341. 370. 2) S. unten Beilage 4. Französische Übersetzung verstümmelt und durch zahlreiche Mißverständnisse und ganz willkürliche Zusätze entstellt, bei Scheid Revue XIII, 80.

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