Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1892
- Issue
- Heft 3
- Article
- Aus Straßburger Judenakten
- Date
- 1892-01-01
- Page
- Seite 319 (sequence 13)
- Language
- German
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Breßlau: Aus Straßburger Judenakten. 319 Bucers, die im folgenden auf diesen Punkt ausführlich eingeht, ist also nicht allein durch die Veröffentlichung der Rachschläge der Prädicanten und des oben erwähnten Schreibens des Landgrafen, sondern sie ist auch durch die Frankfurter Disputation Bucers mit Josel hervorgerufen worden. Daß der Eindruck des Frankfurter Vorgangs auf den Kurfürsten von Sachsen nicht nachhaltig war, sagt Josel; für Johann Friedrich war in der Judenfrage natürlich das Urtheil Luthers durchaus maßgebend; und wir werden noch sehen, daß dessen Standpunkt in dieser Frage immer schroffer wurde. Auffallender Weise aber schreibt Josel nichts über das Verhalten des Landgrafen von Hessen in der nächsten Zeit, und auch anderweit erfahren wir darüber nicht viel. In der Correspendenz zwischen Bucer und dem Landgrafen werden die Juden nur noch einmal erwähnt: am 3. Juli 1540 räth Bucer dem Fürsten <der Juden und anderer Landbeschwernis halber' Rathschäge nur von denen zu hören, 'denen es nichs in kuchen treiffet'; etwa am 12. Juli antwortet Philipp, der Juden halber habe er neulich wieder eine Anordnung erlassen (haben wir neulicher tag wider maße gegeben), für deren Ausführung er Sorge tragen werde. ^) Josel aber kam im Anfang des Jahres 1541 auf seinen Streit mit Bucer zurück. In einer Eingabe an den Straßburger Rath vom März dieses Jahres 2) berichtet er, daß nach dem Frankfurter Tage die Schrift Bucers und der hessischen Prädicanten <mit etlichen schweren Punkten wider die Juden' zweimal gedruckt worden sei, was er mit Geduld gelitten habe. Aber da die armen Juden in Hessen sich deshalb bei ihm beschwert und ihn um Hilfe und Rath ersucht hätten, habe er ihnen in einem ^Büchlein' geantwortet, in welchem er sie ermahnt habe sich den Angriffen Bucers oder anderer Lehrer keineswegs zu widersetzen, sondern dieselben mit Geduld zu ertragen. ^Denn Gott schickt uns keine Widerwärtigkeit zuhanden, die wir nicht verdient haben'. In dieser Schrift sei nun aber nicht bloß die Unschuld der Juden in Bezug auf etliche gegen sie erhobene Anklagen aus der Schrift erwiesen, sondern auch den Juden ins Gewissen geredet; er habe sie seinen Brüdern ^) durch eine sromme Person zugeschickt, damit am ') Lenz I, 178. 185. 2) S. unter Beilage 3; schlechte und willkürlich veränderte französische Uebersetzung bei Scheid, Revue XIII, 81 5. Die Eingabe ist undatirr, hat aber den Vermerk: praes. et leet. Mittwoch 9. Martii Z541. 3) Das sind in erster Linie die Juden in Hessen. Wahrscheinlich ist die Schrift auch anderswohin versandt worden. Daß aber Josel dieselbe an Deutes 1e8 communautes israelites' geschickt habe, ist eine Erfindung Scheids S. 80, und wenn er in semer Übersetzung Josel sagen läßt ^j'ai euvove äans euAgue coiuiuuiiaut6 (Huive) uns droekure speciale s.uu äes uoiuiueL iustruits äe I'eudroit', so steht davon in der wirklichen Eingabe Issels nicht ein Wort.