Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1892
- Issue
- Heft 3
- Article
- Aus Straßburger Judenakten
- Date
- 1892-01-01
- Page
- Seite 318 (sequence 12)
- Language
- German
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318 Breßlau: Aus Straßburger Iudenakten. mögen, durchweg als zuverlässig. Was er über die wunderbare Entdeckung der Unschuld der 1510 in Berlin verbrannten Juden sagt, läßt sich aus anderweitigen, bisher bekannt gewordenen Zeugnissen nicht belegen, was allerdings nicht eben Wunder nehmen kann. Aber was er über die judenfreundliche Gesinnung Joachims II. in der nächsten Zeit berichtet, wird anderweit mehrfach bestätigt; wie der Rath von Berlin so beklagt auch Luther in den vierziger Jahren wiederholt den schädlichen Einfluß, den die Juden auf den Kurfmsten ausübten ^). Sollten nicht doch die Frankfurter Vorgänge von 1539 in dieser Hinsicht nachhaltig auf Joachim II. eingewirkt haben? War hier wirklich, wie Josel berichtet, offenbar geworden, daß der Prozeß von 1510 mit einem entsetzlichen Justizmorde geendet hatte, so würde man leicht begreifen, daß der durch diese Enthüllung gewiß lebhaft erregte Kurfürst sich zu den unablässig an sein Ohr dringenden Anklagen gegen die Juden skeptischer verhielt als sein Vater gethan hatte. Welchen Antheil Josel an der nachträglichen Aufklärung der märkischen Ereignisse von 1510 gehabt hat, ergiebt sich aus seinen Aufzeichnungen nicht. Er sagt nur, daß er die Juden in einer Disputation gegen die Angriffe Luthers und Bucers vertheidigt habe. Luther war in Frankfurt nicht anwesend, aber Bucer war dort; etwa von der Mitte Februar an bis um um die Mitte des April hat er der Frankfurter Versammlung beigewohnt Es ist danach an sich höchst wahrscheinlich, daß er an der Disputation mit Josel Theil genommen hat. Nun erzählt aber Bucer ausdrücklich in seiner im Mai 1539 publicierten Broschüre Won den Juden': <Und hat ein jud mich selb wollen bereden, wir haben inen inn disem stuck (der Anklage, daß die Juden die Christen zu betrügen suchten) seer onrecht gethon. Dann er mir ein buch zeiget, darinn staht, das sie uns Heiden, bei denen sie wohnen, sollen recht Lhun'. Nach dem, was wir erfahren haben, wird man als gewiß annehmen dürfen, daß dieser Jude, der Bucer zu widerlegen versucht hat, eben Josel von Rosheim war, und daß der Borgang selbst sich auf dem Frankfurter Tage von 1539 zugetragen hat. Die Broschüre K) Vgl. z. B. de Wette V, 629 (1544): luäaei xeräiti in sa (marckia) reZ- QL^at axuä inareniouera xropter xeeunLarn, und de Wette V, 725 den Gries an den Kurfürsten selbst vom 9. März 1545 mit Warnungen gegen die jüdische Tücke: S. K. F. G. haben ein solchen starken Glauben und Vertrauen auf sie. Man beachte, daß das in der Zeit vor des Münzmeisters Lippold Niederlassung in der Mark geschrieben ist; vgl. Allg. deutsche Biogr. XVIII, 737. — Vgl. auch Geiger in dieser Zeitschrift II, 340 f. über den Berliner Juden Michel. 2) Am 6. Febr. 1539 schreibt er an Myconius uud Grvnaeus: post triäuum potsuäa rniki sunt eomitia. I^raQec>5uräeQ8ia. Sein erster Brief aus Frankfurt datirt vom 15. Febr. Am 15. April ist er noch dort. Am 26. April ist er wieder in Straßburg (Ines. Laumianus).