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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1892-01-01 · Heft 3 · p. Seite 316

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1892
Issue
Heft 3
Article
Aus Straßburger Judenakten
Date
1892-01-01
Page
Seite 316 (sequence 10)
Language
German
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316 Breßlau: Aus Straßburger Judenakten. und tungewinnlichften' Arbeiten zuzulassen, ^als da sein der bergknappen arbeit, graben, walmachen, stein und holtz hauwen, kalckbrennen, schornstein und cloackfegen, Wasenmeister oder schinderwerck treiben und dergleichen'. Ihr aus dem Schweiß der Armen zusammengebrachtes Geld dürste billig confiscirt werden; doch könne auch die Obrigkeit dasselbe von den Juden zu Borg nehmen, davon den armen Leuten zu fünf Procent ausleihen und Zinsen und Capital den Juden zurückgeben <wenn sie das wider begerten und es mit füge nach gegebenem ziel von armen leuten wider kund inbracht werden' Der milde Landgraf war nicht geneigt, auf ein so hartes Verfahren gegen die hessischen Juden einzugehen. In einem Schreiben an Statthalter und Räthe in Cassel vom 23. Dez. 1538 suchte er die Sätze der Prediger aus der Schrift zu widerlegen; er sah ein, daß es den Juden unmöglich sein würde, auf die von diesen gemachten Vorschläge hin in Hessen zu bleiben, ^denn solcher Rathschlag ist also enge gemacht und gespannet, daß sie sich bei uns nit halten konnten'. Entweder also müsse man sie ziehen lassen oder milder behandeln. Das letztere zu thun war des Landgrafen Gedanke; er legte seinen Rathen neue Artikel, wie es scheint zehn an der Zahl, vor, auf die man die Juden noch zwei Jahre im Lande behalten solle, um zu sehen wie sie sich bis dahin schicken möchten Dies Schreiben des Landgrafen mitsammt dem Gutachten der Prädicanten ward durch den Druck veröffentlicht, wie Bucer meint durch die Juden selbst, welche darzuthun suchten, daß durch die von Philipp angeführten Schriftstellen die Meinung der Prediger widerlegt sei; die Publikation der beiden Schriftstücke muß, wie Lenz mit Recht annimmt, großes Aussehen gemacht haben, da Bucer es später 2) nothwendig fand, ihr in einer eigenen Broschüre entgegenzutreten. Dazu aber hatte er vielleicht noch eine besondere Veranlassung. Im Februar 1539 begann zu Frankfurt am Main jene Versammlung, auf der die protestantischen Stände des Deutschen Reiches unter Führung Es ist für den Standpunkt der Prädicanten characteristisch, daß sie auf die kaiserlichen Privilegien und Schutzbriefe, deren sich die deutschen Juden zu erfreuen hatten, und die noch von Karl V. wiederholt bestätigt waren, nicht mit einem Wor^ Rücksicht nehmen.?) Ueber diese zehn Artikel äußert sich Bucer in einem Schreiben vom 27. Dec. 1538 an den Landgrafen (Lenz I, 59) im ganzen zustimmend. Nur gegen den 5. Artikel, der den Juden das Kaufen und Verkaufen gestatten will, bleibt er bei seinem Widerspruch. Er will ihnen eine Arbeit gestatten, von der sie sich ernähren können, aber nur ^wie sich gebührt denen, die unsere Knechte und Eigenleute und wahrlich der Schwanz sein sollen'. Im Mai 1539.

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