Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1892
- Issue
- Heft 3
- Article
- Aus Straßburger Judenakten
- Date
- 1892-01-01
- Page
- Seite 313 (sequence 7)
- Language
- German
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Breßlau: Aus Straßburger Judenakten. 313 welches das Datum des 26. April trägt ^). In beiden Schriftstücken wird Josels in rühmenden Worten gedacht; der Rath lebt seine Ehrbaren, billigen Wege' und sagt ihm nach, daß er <nach Art und Verstand seines Glaubens auf Gott sich bewiesen und beflissen habe'; Capito nennt ihu <einen Vornehmen unter den Juden und nach der Art desselbigen Volks einen frommen Mann und eines guten Leumunds, den die anderen Juden als ihren Patron vor Augen halten und ehren'. Der Rath erinnert den Kurfürsten an die Lehre des h. Paulus, der geboten habe, mit diesen armen Leuten Barmherzigkeit und Mitleiden zu tragen, und den gleichen Ton schlägt Capito an. Auch er hat Erbarmen mit dem Volk, an dem die Weissagungen der Propheten in Erfüllung gegangen sind; auch er hält sich an die Worte Pauli (Römer 11) und gebraucht dessen Gleichniß von dem wahren Oelbaum und den wilden Oelzweigen; und wie er ihnen, so viel an ihm sei, in seinen Landen nichts unfreundliches widerfahren lasse, so erwartet er auch von Luther die gleiche milde Gesinnung 2). Mit diesen Schreiben machte sich nun Josel auf den Weg nach Norddeutschland; er kam ^bis aus sieben Meilen in Meißen'^) und suchte bei Luther um eine Audienz und um Fürsprache bei dem Kurfürsten nach. Allein der Reformator, der seine Gesinnungen gegen die Juden seit dem Jahre 1523 wesentlich geändert hatte, verweigerte ihm die eine wie die andere. Der merkwürdige Brief, den er wahrscheinlich am 18. Juni 1537^) <dem ') Gedruckt in lateinischer Fassung bei Kolde, ^valeets. I^utkerava. S. 304 nach dem IkssauruL Laumianus aus der Biblithek zu Straßburg. Daß es sich urn Josel handelt, hat Kolbe, der den Empfohlenen für einen Straßburger Juden hält, nicht erkannt; auch scheint ihm der Zusammenhang mit dem unten erwähnten Schreiben Luthers entgangen zu sein. Bei Scheid a. a. O. S. 381 steht ein bis zur UnVerständlichkeit entstellter Abdruck einer deutschen Version des Schreibens, die Josel 1543 abschriftlich dem Straßburger Rath eingereicht hat. Daß Josel selbst diese Übersetzung angefertigt habe, ist in keinem Falle anzunehmen. Sie wird ihm also — vielleicht mit der lateinischen Version, vielleicht auch ohne diese — von Capito übergeben worden sein. Deshalb lohnt es sich, in Beilage 2 einen berichtigten Abdruck davon zu geben. 2) Capitos humaner Standpunkt ergiebt sich auch aus einer von Josel im Jahre 1543 berichteten bemerkenswerthen Aeußerung. Sie ist in Beilage 6, unten S. 332 f. abgedruckt. So sagt er selbst in einem Schreiben an den Rath vom Juli 1543 <so bin ich mit großen muwe biß uf sieben mayl in Mayßen kumen zu gmelt tocktor, aber er mich nit hat wollen vorlassen, sunder ein brief mir geschriben, wie E. G. denselbigen brief wol wissen'. Scheid, kevus XIII, 83 übersetzt: me suis renäu Mstzn's. ssxt kois ek62 lul A Nelsseri, sans^amais avoir xu etrs rexu xar lui! Der Brief, gedruckt bei de Wette V, 79 ff. hat hier das Datum 'Montag nach Barbara e' 1537, d. L. nicht 5. Nov. wie in der Überschrift steht, sondern 10. Dec., wie schon SeLdemann bei de Wette VI, 515 angemerkt hat. Aber Seide-