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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1892-01-01 · Heft 3 · p. Seite 312

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1892
Issue
Heft 3
Article
Aus Straßburger Judenakten
Date
1892-01-01
Page
Seite 312 (sequence 6)
Language
German
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312 Breßlau: Aus Straßburger Judenakten. zu einer Disputation vor der Kommission gekommen ist. Das Ergebniß der Untersuchung entsprach durchaus den Wünschen Josels; Margarita wurde zunächst gefangen gesetzt und dann aus Augsburg verwiesen: er mußte schwören, die Stadt nicht wieder zu betreten*). War der in der Schrift ungemein bewanderte Jose! so, Dank der Kaiserlichen Unterstützung, deren er sich, so lange er lebte, in ausgiebigstem Maß zu erfreuen hatte, mit diesem aus den Reihen der Juden selbst hervorgegangenen, dem Katholicismus angehörigen Widersacher 2) leicht fertig geworden, so gestalteten sich die Verhältnisse weniger günstig für ihn, als er seine Glaubensgenossen gegen die Angriffe in Schutz zu nehmen hatte, welche aus dem Lager der evangelischen Kirche, von den Führern der protestantischen Bewegung selbst ausgingen. Im Jahre 1537 erfuhr Josel, daß Kurfürst Johann Friedrich von Sachsen die Absicht habe, alle Juden aus seinem Gebiet zu vertreiben und ihnen sogar den Durchzug durch dasselbe zu verbieten. Er faßte den muthigen Entschluß selbst nach Sachsen zu gehen und durch persönliche Vorstellung den Kurfürsten zur Zurücknahme des harten Verbots zu bestimmen. Zu diesem Behuf wandte er sich einerseits an den Rath von Straßburg, andererseits an die Führer des dortigen Protestantismus, Capito und Bucer, um von ihnen Unterstützung zu verlangen Aus beiden Seiten gab man seinen Bitten Gehör. Vom Straßburger Rath erhielt Josel ein vom 5. Mai 1537 datirtes Jntercessionsschreiben an den Kurfürsten Capito gab ihm, unter ausdrücklicher Berufung auf die Zustimmung und das volle Einverständnis Bucers, der eben am Tage der Abfassung dieses Briefes nach Basel gereist war, ein Empfehlungsschreiben an Luther, ^) Die Zuverlässigkeit der Angaben Zosels bestätigt indirekt die Thatsache, daß Margarita, der nach dem Schlußworte der ersten Ausgabe seiner Schrift in Augsburg weitere hebräische Schriften zu publiciren beabsichtigte, uns 1531 in Leipzig begegnet: aus dem Titelblatt der 2. Auflage nennt er sich ^Hebreyscher Leser der löblichen Universitet und Fürstlichen Stat Leyptzigk'. Und von Verfolgungen, die er Wegen der Schrift erduldet hat, spricht Margarita in einem am Schluß der zweiten Auflage hinzugefügten Satz: Was mir aber byßher von wegen dieses Büchleins begegnet ist, soll nicht lang verschwigen bleyben. Doch bitte ich Gott meinen schöpffer und erlöser Jhesum Christum das er mich vor den halszstarken listigen Juden unnd vor jrem fürnemen erhalte und errethe, Amen'. 2) Margarita ist später von Leipzig nach Wien gegangen, wo er als Lector der hebräischen Sprache an der Universität gestorben ist. s) Er selbst berichtet darüber in seinen Memoiren zum Jahre 1537 (nicht 5296 ---- 1536, wie Kracauer, Revue XVI, 99, irrig schreibt) und führt hier den Entschluß des Kurfürsten auf den Rath Luthers zurück. Im übrigen vgl. die unten erwähnten Briefe. Gedruckt bei Scheid, Li5t. äes M'8 ä'^lsaee S. 383. S. unten Beil. 1.

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