Mannheim
Compact Memory

Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1892-01-01 · Heft 3 · p. Seite 311

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1892
Issue
Heft 3
Article
Aus Straßburger Judenakten
Date
1892-01-01
Page
Seite 311 (sequence 5)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
87% known words query
IRI
…/2259275-2259319-2259323-2265249--2183-2265282
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Breßlau: Aus Straßburger Judenakten. 311 einer angesehenen Regensburger jüdischen Familie stammend^), im Jahre 1522 zu Wasserburg zum Christeuthum übergetreten war; auf dem Titelblatt bezeichnet er sich als ^Hebrayscher Leser der Löblichen Statt Augspurg'?). Bon dieser Schrift, die, nach der großen Zahl der Auflagen zu ur- Lheilen, viel Aussehen gemacht haben muß, wird Jose! alsbald nach seiner Ankunft in Augsburg Kenntniß erhalten haben. Er muß sich mit einer Klage gegen Margarita an den Kaiser gewandt haben, und dieser ernannte zur Untersuchung dieser Sache eine aus mehreren seiner Räthe bestehende Commission. Vor den Kaiserlichen Commissaren vertheidigte Josel seine Glaubensgenossen insbesondere gegen drei von Margarita vorgebrachte Anklagen: daß die Juden die Christen verfluchten, daß sie Christum lästerten, und daß sie darauf ausgingen, unter den Christen Proselyten zu machen 2); daß auch Margarita von der Commission vernommen worden ist, wird man wohl ohne weiteres annehmen dürfen; ja man kann aus Josels späteren Berichten über den Vorgang geradezu schließen daß es ») S. K. 4'o erzählt er, daß sein Vater 'oberster Rabi' in Regensburg gewesen sei; er erwähnt als die vornehmste dortige Iudensamilie die des reichen Moses, 'welchs gschlecht bey den juden die Wölfs genannt werden'; über sie werde er eine besondere Schrift verfassen (diese ist nach ILcher III, 165 nicht erschienen). Indem er nun weiter einen Lorfall erzählt, der sich zugetragen habe, als er selbst 13 oder 14 Zahr alt und ein Rorbeck Hauptmann zu Regensburg gewesen sei, läßt sich sein Geburtsjahr ungefähr feststellen. Da Sigmund Rorbeck 1511 Reichshauptmann zu Regensburg wurde, bald nachher aber Thomas Fugs zum Hauptmann ernannt ward und sein Amt nach anfänglichem Widerstand der Stadt 1514 antrat (vgl. Städtechroniken XV, 15 ff.), muß Margarita kurz vor 1500 geboren sein. 2) Wiederholt sprich: der Verf. von großen Reisen, die er gemacht habe. Nach H 1 war er in Pavia, nach K 2^ in Ungarn (hier will er drei zum Iudenthum übergetretene Christen gesehen haben), nach K 3^ in Prag, nach Q 4b in ^der Venediger Land'. 2) Von Verfluchungen der Christen durch die Juden spricht Margarita C 2^, D 2d. 3, F3K. 4. H 2, G 1 und öfter. Die Proselytenmacherei behandelt er K2v, R 1; die Lästerungen Christi V 3. Er erwähnt den Vorgang zweimal in Schreiben an den Straßburger Rath vom Mai und Juli 1543. In dem ersten Schreiben heißt es; «wie ich dan uf nehst gehaltenem reichstag zu Augspurg im 30. jor vor unserem aller genedigsten Herren Rhömisch Keys. Mt. und allen stenden solche Kunden (seil. Punkte), so Anthonius Margareta (!) fürbracht, worhastig verantwort haben, dorumb demselbiegen die stadt verpotten worden'. In dem zweiten erwähnt Josel die drei im Text angeführten Anklagen und fährt dann fort <wie alsdan vileicht von Antunies Margnetta (!) vorgeben Hot, den ich dan zu Augschpurck uf ghalten reichstag im XXXten jar vor K. M. unsser allergn. h. verordnete Comesarien und rette umo solche drey punten von aller judisck.eldt wegen verantwort, und gmelter gedaufster jud gefangen worden, die stadt Hot muffen verschwelen; zich ich mich kuntschafft uff hochgedachten eumesarien und ein ersamen rot zu Augschpurck.'

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.