Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1892
- Issue
- Heft 3
- Article
- Aus Straßburger Judenakten
- Date
- 1892-01-01
- Page
- Seite 310 (sequence 4)
- Language
- German
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310 Breßlau: Aus Straßburger Judenatten. Während Josel von diesem Erfolg seiner Bemühungen in Augsburg erzählt, übergeht er im übrigen seine Thcitigkeit auf dem Reichstage mit Stillschweigen. Er erwähnt nichts von der Versammlung von Vertretern jüdischer Gemeinden, die er nach Augsburg berief, nichts von dem höchst merkwürdigen Edict gegen Mißbräuche der Juden bei Handel und Wandel, insbesondere bei Geldgeschäften, das er mit diesen Abgeordneten vereinbarte und am 17. Nov. 1530 — zwei Tage vor Schluß des Reichstages — den versammelten Reichsständen publicirte ^). Aber Josel erwähnt in den Memoiren auch nichts von dem Erfolg, den er zu Augsburg über einen gefährlichen literarischen Widersacher der Juden davontrug, obwohl er auf diesen Erfolg, wie spätere Aeußerungen von ihm zeigen, nicht wenig stolz war. Im Jahre 1530 erschien in Augsburg eine umfangreiche Broschüre: Wer gantz Jüdisch glaub mit sampt ainer gründlichen und wahrhafften anzaygunge / Aller Satzungen / Ceremonien / Gebetten / Haymliche und öffentliche gebreuch / deren sich dye juden halten / durch das gantz jar / Mit schonen und gegründten Argumenten whder jren Glauben'. Verfasser der Schrift, die in dieser Zeitschrift bereits früher von L. Geiger eingehend besprochen worden ist^), war der Convertit Antonius Margarita, der, aus aus, welche Stadt am 29. Juli ein die Geldgeschäfte der Juden einschränkendes kaiserliches Mandat erwirkte. Vgl. darüber und über den sich noch lange hinziehenden Streit zwischen Colmar und den Juden Hlossinann, Stüdes sur l'Qistoirs 6s8 Huits s. Oolinar (Colmar u. Paris 1866) S. 23 ff. Gedruckt bei Lehmann 11,81 ff. mit der Ueberschrist °Artickel und Ordenung, so durch Joszlin von Roszheim, gemeiner Judisheit Regirer, aufgericht und beschlossen worden, gehalten im reichstaz zu Augspurg im jar fünfzehnhundert und dreißig. — Der beachtenswerte Satz, <dan wir auch menschen, von Gott dem Allmechtigen ouff der erden ze wonen geschaffen, bey euch und mit euch ze wonen', kehrt fast wörtlich wieder in einem Schreiben Issels an die Stadt Colmar, erwähnt bei HIossmann a. a. O. S. 28. 2) Bd. II, 324 ff. Geiger hat nur die unten zu erwähnende zweite Ausgabe der Schrift benutzen können, während mir außer dieser auch die erste ('gedruckt zu Augspurg durch Heynrich Steyner am XVI. Lag Marm des UVXXX', A bis Z, a bis b, a 4 Bll. 4«) vorgelegen hat. Die von Geiger erwähnten Holzschnitte der zweiten Auflage sind denen der ersten nachgebildet. Geiger's Annahme a. a. O. S. 324 N. 1), daß die Schrift zuerst lateinisch erschienen sei, trifft nicht zu; vielmehr deutet die auf Blatt b 3 vorgebrachte Entschuldigung wegen der Mängel der Ausdrucksweise und der Verstöße gegen <die Kunst der Teutschen Rhetorica', die der Verf. daraus zurückführt, daß er ^nicht so wol gar der teutschen sprach berichtt' sei, darauf hin, daß die Broschüre von vorn herein deutsch abgefaßt ist. Auch habe ich nirgends eine lateinische Ausgabe erwähnt gesunden, während der deutsche Text noch oft (zuletzt 1713 durch Reineccius) gedruckt ist.