Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1892
- Issue
- Heft 3
- Article
- Aus Straßburger Judenakten
- Date
- 1892-01-01
- Page
- Seite 309 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2259275-2259319-2259323-2265249--2181-2265280- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Breßlau: Aus Straßburger Iudenakten. 309 tische Seite seiner Wirksamkeit hinzuweisen und darzustellen, wie Josel literarischen Angriffen gegen Juden und Judenthum entgegenzutreten bemüht war. _ In den von I. Kracauer^) herausgegebenen Aufzeichnungen Josels, die man mit irreführendem Ausdruck als sein Tagebuch zu bezeichnen Pflegt 2), finden sich über die Vorgänge des Jahres 1530, obwohl die Thätigkeit des Befehlshabers der deutschen Judenschaft in diesem Jahre eine sehr bedeutende war, nur ganz kurze Notizen. Im Mai des Jahres, als Karl V. nach seiner Kaiserkrönung zu Innsbruck mit seinem Bruder Ferdinand zusammentraf, fand sich auch Josel dort ein und überreichte dem Kaiser und seinem Bruder eine gnädig aufgenommene Denkschrift, welche die Juden gegen den Vorwurf in Schutz nahm, mit den Türken im Bunde zu stehen. Am 6. Juni verließen Karl und Ferdinand die Hauptstadt Tyrols; am 15. zog der Kaiser in Augsburg ein, wo fünf Tage später die Sitzungen des glänzenden und zahlreich besuchten Reichstages eröffnet wurden. Ob Josel dem Kaiser gleich von Innsbruck aus dahin gefolgt, oder ob er erst später nach Augsburg aufgebrochen ist, muß ich dahingestellt lassen. Jedenfalls finden wir ihn hier am 12. August, wo er von Karl eine Bestätigung der den elsässischen Juden von Kaiser Sigmund verliehenen Privilegien erwirkte, die dabei zugleich ^auf die gemeine Jüdischheit allenthalben im heiligen Reich gesessen' ausgedehnt wurden 3). Wie wir aus den Memoiren erfahren, war es Josel nicht leicht geworden, diese Bestätigung zu erlangen; er erzählt, daß in Augsburg die Absicht bestanden habe, den deutschen Juden das Ausleihen von Geld auf Zinsen zu verbieten, daß es ihm aber nach vielen Bemühungen gelungen sei, ein derartiges Verbot zu verhindern, wie denn in der That jenes Privileg Sigmunds ihre Befugniß zu Darlehensgeschäften ausdrücklich anerkennt t) K.6VU6 äss etuäöL Mvss XVI, 84 ik. 2) Die Bezeichnung Tagebuch (Journal) paßt schon deswegen nicht, weil Tagesdaten nur sehr selten angegeben werden (z. B. zu den Jahren 1510—1530 nur ein einziges Mal). Sie paßt aber auch nicht, weil die Aufzeichnungen nicht mit den Ereignissen gleichzeitig oder auch nur annähernd gleichzeitig gemacht sind. In Z 22 z. B., der wie wir unten sehen werden, Vorgänge der Jahre 1537—1539 erzählt, wird, wie Kracauer selbst (S. 100 N. 2) bemerkt hat, deutlich aus Ereignisse der Jahre 1546 oder 1547 angespielt. Da die Aufzeichnungen selbst ebenfalls bis Ende 1547 reichen, werden sie kurz nach diesem Jahre entstanden sein. Es sind also in einem Zuge geschriebene Memoiren, kein fortlaufend geführtes Tagebuch. 2) Die Urkunde Karls, gedruckt bei Lehmann II, 72 ff., erwähnt Josel nicht, aber er selbst erzählt in seinen Memoiren § 15 S. 98, daß er sie erwirkt habe. ^) Die Bewegung gegen die Juden ging vermutlich insbesondere von Colmar 20"°