Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1892
- Issue
- Heft 3
- Article
- Aus Straßburger Judenakten
- Date
- 1892-01-01
- Page
- Seite 308 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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308 Breßlau: Aus Straßburger Iudenakten. genügen die ihm gewidmeten Arbeiten zum Theil auch nicht einmal den bescheidensten Ansprüchen, welche man zu stellen heute berechtigt ist. Lehmann selbst hat das ihm zugängliche reiche Material, statt zu einer wirklichen Biographie, zu einem historischen Roman verarbeitet, ohne dem Leser ausreichende Handhaben zu bieten, um zwischen Wahrheit und Dichtung zu scheiden; aus seinem zweibändigen Buch ^) sind nur die an vielen Stellen eingereihten, leider nicht immer correct abgeschriebenen oder abgedruckten Urkunden und Aktenstücke zu historischen Zwecken zu verwerthen. Und was E. Scheid in seiner Biographie Josels 2). sowie in seiner Geschichte der Juden des Elsaß ^) über den Juden von Rosheim beigebracht hat, ist durchweg so unzuverlässig, daß jede einzelne Angabe des Verfassers der quellenmäßigen Nachprüfung bedarf, ehe man sie annehmen kann. Die Akten, die Scheid vorgelegen haben, hat er vielfach nicht lesen können und ebenso häufig nicht verstanden^); besonders wichtige Quellen, wie z. B. die Protokolle des Straßburger Raths, hat er überhaupt nicht benutzt; die Thatsachen, die seine Urkunden erwähnen, in den richtigen allgemeinen Zusammenhang einzureihen, fehlen ihm die nöthigen historischen Kenninisse; wo seine Quellen versagen, hat er oft durch eigene Erfindung nachgeholfen, diese Vermuthungen aber nicht immer als solche gekennzeichnet, sondern als Thatsachen berichtet, wobei es ihm dann gelegentlich begegnet ist, daß er gerade das Gegentheil von dem erzählt, was in Wirklichkeit geschehen ist. Kurz die Arbeiten Scheies gehören zu den schlimmsten Erzeugnissen jener dilettantischen Schriftstellern, die von dem Gebiet der jüdischen Geschichtsschreibung alles Ernstes zu verweisen allgemach eine dringende Notwendigkeit wird, und denen gegenüber gutmüthige Nachsicht zu üben nicht länger am Platze ist. Mir gestatten anderweitige Pflichten und Arbeiten nicht, mich an der umfangreichen Aufgabe einer Biographie Josels zu versuchen. Ich begnüge mich damit, im folgenden in möglichst gedrängter Kürze auf die apologe-!) R.^bbi Ioselmann von Rosheim, Frankfurt a. M., Kauffmann, 1879. 2) Revue äes etuäes Mvss XIII, 62 K. 2) Kistoire äes ^'ui5s ä'^lsaee,?ari8, vurlaener 1887. Ein charakteristisches Beispiel hat bereits Slern in dieser Zeitschrist III, 65 angeführt. Ich will an dieser Stelle nur noch ein Zweites hinzufügen; unten wird man weitere Belege finden. Ein Schreiben Josels an den Straßburger Rath vom März 1541 schließt mit den Worten: 'hierauff bit ich E. G. umb ein gnedige antwurt bey einem botten auff mein costen'. Statt hosten' scheint Scheid 'Rossen' gelesen zu haben und so phantasirt er folgende Übersetzung dieses Textes zusammen Mevue XIII, 82): ^veuille? m'envo^er votre Zraeieuse rexon8e xa.r un meLLaZer gui se servira äe raon eneval, hue He 1ai8se ici'?