Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1892
- Issue
- Heft 3
- Article
- Aus Straßburger Judenakten
- Date
- 1892-01-01
- Page
- 307 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2259275-2259319-2259323-2265249--2179-2265278- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
I. Abhandlungen. Aus Straßburger Zudenakten. Von H. Breßlau. Zur Geschichte Issels von Rosheim. Für diejenigen, welche sich mit der Geschichte der deutschen Juden in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts beschäftigen, kann es kaum ein Thema geben, das zugleich anziehender und wichtiger wäre als das Leben Josels 2) von Rosheim. Welch eine merkwürdige Erscheinung ist doch dieser Mann, der als ,Befehlshaber' der deutschen Judenheit von seinen Glaubensgenossen wie von den Christen, selbst vom Kaiser und von den höchsten Behörden des Reichs anerkannt, sein ganzes Leben in den Dienst der einen Aufgabe gestellt hat, unablässig für die Hebung der sozialen Lage der deutschen Juden thälig zu sein! Von Tyrol bis nach Meißen, von Böhmen bis nach Flandern durchzieht er Jahr für Jahr die Lande des Reichs; auf Reichs- und Fürstentagen sieht man ihn unerschrocken vor irdischer Majestät und geistiger Größe für die Interessen seiner Glaubensgenossen eintreten. In Wort und Schrift vertheidigt er sie gegen Verfolgung und Bedrückung; aber er versucht auch erziehlich auf sie selbst einzuwirken und, soviel an ihm ist, dafür zu sorgen, daß die Mißstände verschwinden, welche als Ursache oder Verwand solcher Bedrückung geltend gemacht werden. Es ist für den Zustand der jüdischen Geschichtschreibung bezeichnend, daß erst die neueste Zeit von der in den Akten der Archive verborgenen Thätigkeit dieser wunderbaren Persönlichkeit erfahren hat. Seit Rabbiner vr. Lehmann energisch die Aufmerksamkeit aus ihn gelenkt hat, hat man sich eifrig mit seinem Leben und seinen Thaten beschäftigt. Aber leider ') S. eben S. 115—125. 2) Es ist neuerdings üblich geworden, die Namensform Ioselmann zu gebrauchen. Er selbst wendet in deutschen Urkunden, die mir bekannt geworden sind, diese Form nie an (vgl. auch Revue 6es etuäes Mves V, 94), und man sieht also besser von ihr ab. Zeitschr. f. d. Gesch. d. Juden i. Deutscht. V. 20 l.