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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1892-01-01 · Heft 2 · p. Seite 287

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1892
Issue
Heft 2
Article
Ferdinand Lassalles Tagebuch (1840)
Date
1892-01-01
Page
Seite 287 (sequence 4)
Language
German
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Miscellen. 287 des Herrn". „So ihr redlich euch euer Brod erworben, so könnt ihr sagen: das ist ein Tisch des Herrn. So aber an euren Speisen das Blut derer klebt, die ihr unterdrücket, in euren Getränken die Thränen der Wittwen und Waisen sind, die sich mit Recht über euch beklagen, wie wollet ihr dann hintreten vor den Herrn und ihm danken für das, das er euch gegeben, wenn ihr es seinen Geschöpfen entrissen habt!" „Ich sah mich bei diesen Worten nach einigen Bekannten um. „Er berührte daraus den Satz, daß die Gelehrten und Weisen nicht mit ihrem Wissen prunken sollten. Sie sollten, wie es in der Schrift heißt, einen Deckel darüber schieben. „Aber doch sollt ihr, lieben Freunde, euer Wissen äußerlich erkennen lassen, durch eure Thaten. Aus euren Thaten soll man urtheilen können und die Pracht eures Wissens erkennen". Unter Anderm warnte er vor Lebensüberdruß. „Oft scheint Manchen ein Höheresin diesem Leben nicht da zu sein, sie sehen Jenen sterben in Armuth und Jenen leben in Uebermuth und sprechen: ,Ach, es ist nichts Höheres im Lebens Aber, lieben Freunde, wenn die Sonne nicht strahlt, so ist es nicht, weil sie ihren Glanz verloren hat, sondern blos weil Wolken über der Erde ihre Strahlen auf einen Augenblick nicht durchdringen lassen". „Kurz, Geiger machte, obwohl diese seine Predigt lange nicht seine vorige erreichte, wie man sagt, einen großen Eindruck auf mich." Lassalles Stellung zum Jadenthum bedürfte wohl einer besondern Darlegung. Nach dem hier publicirten Material läßt sich nichts Anderes sagen. II. Die Mai-Nummer der am Anfange dieser Notiz genannten Zeitschrift bringt die Fortsetzung des Tagebuchs, vermag aber die oben ausgesprochenen Ansichten in keiner Weise zu verändern. Die Fortsetzung behandelt einen Theil der Zeit, welche Lassalle auf der Handelsschule in Leipzig zubrachte, weniger seiner Vorbereitung zum Kaufmannsstande als einer einseitigen Lectüre, manchen Studien und Vergnügungen ergeben. Letztere treten freilich im Verhältnis; zu der Breslauer Zeit zurück, so daß man wohl sagen darf, daß die Familie einerseits, die Gefährten andererseits seinen Hang zum Leichtsinn und zu rasch erreichbaren Vergnügungen wenn auch nicht erweckt, so doch gefördert haben. Der angehende Jüngling, der ein Gefallen daran gefunden hatte, Eltern und Freunde zu betrügen, sich über seine Umgebung hochmüthig zu erheben und sich bei aller Schlechtigkeit besser als sie zu dünken, sehnt sich nach den eben Verlassenen, nicht wie ein Uebelthäter nach den Genossen seiner schlechten Handlungen verlangt, sondern wie ein Liebevoller nach denen begehrt, welche seinem Herzen am nächsten

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