Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1892
- Issue
- Heft 2
- Article
- 1806 - 1813
- Date
- 1892-01-01
- Page
- Seite 280 (sequence 3)
- Language
- German
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280 Miscellen. nicht. Euren Beschützer von Angesicht zu Angesicht zu sehen? Nun ist doch endlich Euer Messias gekommen. „Was thut man damit?" versetzte der Jude, „wißt Ihr was; wir haben Euern Messias gekreuzigt, kreuzigt unsern". In ähnlicher Weise wie diese Antwort, die man in keiner Weise als Bejubelung der französischen Triumphatoren interpretiren kann, nur noch boshafter ist die a. a. O. mitgetheilte Antwort eines aus Südpreußen 1807 nach Berlin kommenden Juden. Die geringen Fortschritte, die Napoleon in Preußen und Polen machte, die großen Verluste, die er erlitt, haben ihn gen'öthigt, alle verfügbaren Truppen nachkommen zu lassen. Der Jude wurde gefragt, wie es mit den Franzosen stehe. Er antwortete: „Mein! wie soll es stehn? Vortrefflich steht's. Napoleon hat in Polen einen herrlichen Handel gemacht, fast alle seine Leute hat er an den Mann gebracht, und da er solchen guten Abgang hat, so läßt er nun noch den Schofel nachkommen". Als dann die französischen Truppen in vollster Deroute nach Frankreich zurückkehrten, fehlte es nicht an Hohn und Spott. (Einzelne Carrikaturen erwähnt Rellstab, Erinnerungen I, 54, 167 fg.). An solchen Spöttereien betheiligten sich auch die Juden, statt etwa die Franzosen zu beklagen. Ein witziger Jude bemerkte (Rußlands Triumph V, 118): „Der Kaiser Napoleon ist nach Paris zurückgegangen, um sich en imnwture malen zu lassen". Nicht übel ist auch das folgende Geschichtchen (a. a. O. V, 125), das schon dem Beginn der Befreiungskriege angehört. „Nein", sagte Jemand in Berlin auf einem Caffeehause, „es wird nicht eher wieder gut in Deutschland, als bis die Franzosen über den Rhein sind". „Mein! was sagen Sie?" versetzte ein Jude, „Gut soll's dann werden? Ich glaub's nicht, es wird nicht eher wieder gut als bis der Rhein über den Franzosen ist". Auch in einem kleinen dramatischen Spiele jener Zeit kommt ein Jude vor. A. v. Kotzebue, der in seinen Lustspielen manchmal über die Juden witzelt, läßt in seinem Festspiel „Der Flußgott Riemen und noch Jemand" (eben Napoleon) einen Juden austreten. Die Situation ist folgende: Der Flußgott war mit dem Kaiser in eine lange Unterredung gerathen, in welcher er ihm seine Laster vorwirft und sich schließlich weigert, ihn über den Fluß zu setzen. Vier Fuhrleute weigern sich gleichfalls, den Kaiser zu fahren und erklären denjenigen für einen Schelm, der Solches versuche. Da kommt ein Jude. Napoleon fragt ihn, ob er rudern kann. Der Jude sagt: „Warum denn nit? Ist einem Juden doch nix zu schwer, wann's nur abwirft einen kleinen Profit". Napoleon giebt ihm eine Börse; der Flußgott tadelt den Juden, daß er dem Feinde Gutes erweise, erhält aber von diesem die Antwort: