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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1892-01-01 · Heft 2 · p. Seite 279

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1892
Issue
Heft 2
Article
1806 - 1813
Date
1892-01-01
Page
Seite 279 (sequence 2)
Language
German
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Miseellen. 279 wehrfähige Mannschaft, dem Rufe des Königs folgend, bereitwilligst auszog, um Gut und Blut für das Vaterland zu opfern, das Alles ist bekannt genug (vgl. z. B. Geiger, Gesch. d. Juden in Berlin, I, 149 fg., II, 190 fg.) Bei einem erneuteu Studium der Spenerschen Zeitung habe ich sehr viele bisher unbekannte Beispiele jüdischer Opferwilligst gefunden. Dagegen findet sich häufig genug der Vorwurf, die Juden hätten in der eigentlichen Franzosenzeit unpatriotisch gesprochen und gehandelt. Wenn zum Beweise dieser Anklage auf K. I. Lange (alias Daveson, jenen von Lessing an Mendelssohn empfohlenen Fremdling vgl. Danzel-Guhrauer, Lessing II, 595), und das von diesem Berlin 1806—1808 in Berlin herausgegebene französisch-offiziöse Blatt „Telegraph" hingewiesen wird, so könnte zunächst bemerkt werden, daß Lange seit vielen Jahren getauft war, ferner, daß die Gesammtheit nicht für die Schuld des Einzelnen verantwortlich gemacht werden kann, endlich, daß für den einen fahnenflüchtigen Juden viele Christen aufgezählt werden könnten. Einen bestimmten Vorwurf formulirt Klöden, (Jugenderinnerungen, herausg. von Max Jähns, Leipzig 1874, S. 222 fg.), der als angehender Jüngling den Einzug der Franzosen mit ansah. Er berichtet, daß viele Berliner den einziehenden Franzosen zugejubelt hätten, daß aber die Hauptschreier die Juden gewesen seien, denen Lange, auf dem Schloßplatz stehend, das Signal gegeben habe. Ein solches Zeugniß einfach als lügenhaft zurückzuweisen, wäre allerdings nicht recht historisch. Nur mag daran erinnert werden, daß Klöden seine Aufzeichnungen in hohem Alter, also Jahrzehnte nach dem Ereignisse niederschrieb, ferner daran, daß die Juden damals (1806) einem Getauften mit so starker Abneigung entgegentraten, daß die Annahme nicht sehr wahrscheinlich ist, sie hätten sich von einem Solchen zur Aeußerung ihrer Gefühle bestimmen lassen. Nun finde ich in einem selten gewordenen Bande (Göritz-Lübeck-Stiftung in Berlin) „Rußland's Triumph. Oder Sammlung von mehreren Aufsätzen größtenteils den Rückzug der Französischen Armee und dessen Folgen betreffend Deutschland 1813" (5 Hefte in einem Band) einige Anekdoten und Zeugnisse der Zeitgenossen, die mir als solche der Mittheilung Werth scheinen. Es sind zumeist, wie schon erwähnt, Anekdoten, aber sollten diese, wenn sie auch nicht eben historische Beweiskraft besitzen, nicht trefflich dazu geeignet sein, die Stimmung jener Zeit zu erläutern, die Meinung darzu- Lhun, welche die Zeitgenossen von den Juden hegten? Gleich die erste (a. a. O. V, 122) zeigt, daß man damals die von Klöden vorgetragene Ansicht nicht allgemein theilte. Sie lautet: „Ein christlicher Kaufmann in Berlin sagte zu einem Juden, als eben Napoleon nach dem Siege von Auerstädt dort eingetroffen war: Freut Ihr Euch denn

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