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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1892-01-01 · Heft 2 · p. Seite 266

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1892
Issue
Heft 2
Article
Aus L. Zunz' Nachlaß
Date
1892-01-01
Page
Seite 266 (sequence 44)
Language
German
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266 Neue Mitteilungen. möge uns mit gutem Humor versorgen, da der große Jean Paul nun auch heimgegangen ist. Sie und Moser und -Börne und Heine wären Menschen, die noch etwas Erträgliches zur Welt bringen könnten, vielleicht auch Ich (warum soll ich mich nicht wenigstens auf diese Weise groß schreiben?), wenn ich täglich in Gesellschaft dieser Drei (sie) wäre; aber jeder ist auf seine Weise an den Kaukasus geschmiedet und muß sich von den Geiern die Leber (oft das Herz mit) zerfleischen lassen; dabei gibt es freilich keinen Trost als Leberreime zu machen, wenn man kann und darf". Erscheint Zunz den Gelehrten der älteren Generationen gegenüber als wackerer Mitstrebender, denen der jüngeren als Altmeister, tritt er den aus einer früheren Periode überbleibenden Männern als verehrungsvoller Jünger entgegen, ist er unter gleichaltrigen und von ähnlichem Streben erfüllten Genossen als Vorderster, der die Meisten um Haupteslänge überragt und von Allen als Gelehrtester gepriesen wird, so tritt er in neuer Gestalt auf, wenn man ihn seinen Schülern gegenüber betrachtet. Dann ist es nicht seine Gelehrsamkeit, nicht sein Scharfsinn, sondern seine pädagogische Thätigkeit, sein Lehreifer, der gerühmt wird, seine Milde gegen die an Geist und Mittel Bedürftigen, welche die Herzen gewinnt und fesselt. Die Schüler des Berliner Seminars, dessen DirectorZunz war, von denen ich noch Einige kannte und kenne, hingen an ihrem Meister mit schwärmerischer Begeisterung. Diese zeigt sich in einzelnen der erhaltenen Briefe sehr deutlich. In ihnen tritt das Bedürfniß der jungen Leute hervor, mit ihrem Meister in dauernder Verbindung zu bleiben, ihn von ihren Leiden und Freuden zu unterrichten, sich Rath bei ihm zu erholen und Stärkung in seinem tröstlichen Worte zu finden. Es ist rührend, solche Briefe zu lesen, aber nicht rathsam, solche Deklamationen,- die nur für das Herz derer, die sie schrieben, wichtig sind, mitzutheilen. Nur der Brief eines Schülers, Meyer Behrend, soll eine Ausnahme machen. Ueber den Briefschreiber selbst vermag ich nicht viel zu sagen. Aus einem früheren Briefe desselben, dem einzigen noch erhaltenen geht hervor, daß Behrend seit dem 1. März 1847 als erster Lehrer an der jüdischen Schule in Samoczhn angestellt war. Er bezog als solcher ein jährliches Gehalt von 160 Thlr. und hatte dafür 7 Stunden täglichen Unterricht zu ertheilen. Sein Brief ist als ein Stimmungsbild aus der Revolutionszeit von 1848 und als Bericht eines Augenzeugen von Interesse. Diesen Bericht geschichtlich zu prüfen, kann ich nicht für meine Aufgabe halten; er mag als eine Kunde aus einer früheren Zeit gelten, die doch, so Verschollenes sie anscheinend verkündet, leider an gar manche schauervolle Ereignisse gemahnt,

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