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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1892-01-01 · Heft 2 · p. Seite 265

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1892
Issue
Heft 2
Article
Aus L. Zunz' Nachlaß
Date
1892-01-01
Page
Seite 265 (sequence 43)
Language
German
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Aus L. Zunz' Nachlaß. 265 verwahrt, die bisher noch nicht zu der eigentlichen Briefsammlung gelegt worden sind. Etwas mehr h'ört man von zwei bedeutsamen Mitgliedern des Vereins, die gerade durch Strodtmann's Schilderung bekannter geworden sind: Moses Moser und Immanuel Wohlwill. Das Wenige, was von dem Ersteren herrührt, habe ich in dem schon angeführten Artikel der „Frankfurter Zeitung" (15. Juli 1891) verwerthet. Wohlwill, der seit 1833 in Hamburg als Prediger und Lehrer, seit 1844 als Direktor der Jakobsohn-Schule in Seesen wirkte, stand mit Zunz in sehr regem Verkehr. Seine Briefe, denen fast nie eine längere Nachschrift an Frau vr. Zunz fehlt, verdienten eine besondere Betrachtung. Sie sind geistreich, humoristisch, enthalten viel persönliches Detail und eine Fülle von Nachrichten über Hamburger Verhältnisse. Sacht um dem gelehrten, in verschiedenen Gebieten still wirkenden bescheidenen Mann gerecht zu werden, sondern nur um eine Andeutung seiner frischen und lebendigen Schreibweise zu geben, theile ich eines seiner ersten Schreiben vom 21. Dec. 1825 mit: „Große unerhörte Dinge find geschehen, seitdem ich Ihr sehr kurzes, diplomatisches Schreiben vom 17. Sept. erhalten habe und ein Periodenmacher von nun an bis auf künstige Zeiten wie Hellmuth Winter hat Stoff die Hülle und Fülle bekommen. Amerika ist frei geworden und will es in Panama unwiderruflich besiegeln. . . . Fernbach, der große Rechenlehrer und Talmudist, hat in Hamburg seine Talente offenbart. Kley hat am 5om-Tixpur zu mineda.Ii nicht vorbeten wollen. Mordechai Noah hat das Wort der Erlösung an schlafsüchtige Papierseelen ergehen lassen und durch Ernennung eines Kleselinwmaä zum Messias gezeigt, daß er wenigstens vom „Geist der Prophezeiung" entblößt sei. Den Kausleuten ist das Geld ausgegangen, von dem kein Mensch weiß, wo es hingekommen; den Schreiern aber der Athem, so daß endlich Ruhe, Freiheit und Gleichheit unter die Menschen kommen muß, wenn keiner mehr was sagt, noch was hat, noch was thut. O goldene Zeit, komme! Wahrlich aber es heißt Eulen nach Athen bringen, einem Zeimngsredacteur Neuigkeiten zu widerholen. Darum breche ich ab, obwohl räsonnirende Artikel in Ihrem Blatte keine Aufnahme finden. „Lieber möchte ich etwas reinwissenschaftliches unternehmen und einen Nekrolog der zu früh verschiedenen Wissenschaft des Judenthums schreiben. Doch selig sind die Embryonen, die dem Herrn verscheiden; sie allein werden bestehn am Tage des Gerichts und unschuldig befunden werden. „Soll ich von mir selber sprechen, so möchte ich klagen oder Satiren auf mich selber machen und beides will ich bleiben lassen. Der Himmel

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