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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1892-01-01 · Heft 2 · p. Seite 267

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1892
Issue
Heft 2
Article
Aus L. Zunz' Nachlaß
Date
1892-01-01
Page
Seite 267 (sequence 45)
Language
German
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Alls L. Zunz' Nachlaß. 267 welche der unmittelbaren Gegenwart angehören. Der Brief des Schul- ' lehrers lautet folgendermaßen: Samoczyn, 30. Mai 1848. „Nachdem der heftige Revolutionssturm, der in unfern friedlichen Ebenen gewüthet, ausgetobt hat, und wir nicht mehr wie bisher, jeden Augenblick der Gefahr ausgesetzt sind, einen martervoüen Tod unter den Händen der gefühllosen polnischen Räuberbanden erleiden zu müssen, benutze ich die erste freie Stunde, Ihnen Verehrtester Herr Direktor, ein Bild von der stattgehabten Revolution in kurzen Umrissen zu entwerfen. „Bekanntlich hatte der König den Polen eine nationale Reorganisation der Provinz Posen verheißen. Kaum war dies jedoch geschehen, als auch schon die polnischen Edelleute, von denen die meisten tief verschuldet waren, und, wie sie es selbst aussprachen, aller ihrer Verpflichtungen quitt sein werden, wenn das polnische Reich wiederhergestellt sein wird, als diese Herren ihre Dienerschaft, sowie viel loses Gesindel, das sich gerne anschloß, um plündern zu können, bewaffneten. Bauern schlössen sich diesen Haufen fast gar nicht an. Die Deutschen wurden Brüder genannt. Für diese Brüderschaft mußten sie sich aber den Insurgenten anschließen, mit ihnen exerciren, um gegen Rußland zu ziehen. Auch mußten sie Waffen, Munition, Waaren :c. unentgeltlich liefern. Die Polen fingen bald an zu zeigen, was sie denn eigentlich unter „Brüderschaft" verstehen. Die preußischen Beamten wurden mißhandelt und weggejagt, und polnische eingesetzt, preußische Farben und Adler beschimpft; preußische Kassen beraubt; Proklamationen wurden verbreitet, denen zufolge der König die Provinz Posen den Polen gänzlich abgetreten haben sollte. Die Edelleute versprachen den von ihnen angeführte» Insurgenten das Eigenthum der Deutschen und die königl. Dom ainen-Güter. In Przemeszno hielten sich die Polen für ganz unabhängig und handelten auch darnach. Das Militair 60—80 Mann stark griff die dort stehenden 1500 Insurgenten an, die aber sogleich, dem Beispiel ihrer tapferen Führer folgend, die Flucht ergriffen. Die Führer, die ihren Leuten versprochen hatten an ihrer Spitze zu kämpfen, jetzt wegen ihrer feigen Flucht die Wuth der Menge fürchteten, sprengten das Gerücht aus, die Juden (denn deutsche Christen giebt es da sehr wenig) haben aus den Häusern auf sie geschossen u. daher wäre es unmöglich gewesen, Stand zu halten. Als sich das Militair kurz darauf zurückzog, begannen die (nach dem Verräther Willisen) „für eine Idee begeisterten" Polen mittelalterliche Scenen auszuführen. Unter Anderen wurde auch ein 70- bis 80jähriger Greis auf schaudervolle Weise ermordet. Dieser alte Jude soll also wohl

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