Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1892
- Issue
- Heft 2
- Article
- Aus L. Zunz' Nachlaß
- Date
- 1892-01-01
- Page
- Seite 263 (sequence 41)
- Language
- German
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Aus L. Zunz' Nachlaß. 263 Der Zweite der Alten, der jugendfrisch in eine neue Zeit hinüberlebte, ist David Friedlaender. Bon ihm ist in diesen Blättern schon zu oft die Rede gewesen, als daß es eines besonderen Eingehens auf ihn bedürfte. Es ehrt ihn, den Nachkömmling der Mendelssohn'schen Zeit, den Aufklärer, daß er die neue wissenschaftliche Bewegung, wie sie durch Zunz inaugurirt wurde, nach ihrem Werthe zu würdigen wußte. Er las die Zeitschrift, wurde Mitglied des „Culturvereins" und begeisterte sich in seiner Weise für die neue Aera. Seine Tagebuchaufzeichnunzen, seine Billete, die er an Zunz schickte, beweisen diese freudige Theilnahme. Doch ist unter den Briefchen keins, das völlig geeignet wäre, Friedlaenders Wesen zu charakterisiren. Um aber etwas von diesem würdigen Vertreter einer so völlig verschwundenen Zeit mitzutheilen, sei ein wegen seiner geschichtlichen Notizen interessanter Brief vom 2. Febr. 1825 hier abgedruckt. Er lautet: „Auf Ihre Zuschrift von heute gebe ich mir die Ehre zu erwidern 1. Das Privilegium zur orientalischen Buchdruckerei hat das damalige Institut ekinuek neariw schon im I. 1780 durch Verwendung des Ministers von Münchhausen erhalten. Wenn das Privilegium nicht mehr vorhanden sein sollte, so ist die Biester'sche Monatsschrift der einzige Ort, wo einige Nachrichten davon sein könnten .... Das Institut wurde 1778/79 gestiftet; 1783 legte ich schon meine Stellung als Direktor nieder, weil der primitive Zweck der Lehranstalt verwirrt wurde. Was Bendavid in seinem Gutachten davon berichtet, ist ganz unrichtig; er weiß nicht, welchen Plan die Stifter hatten. 2. Das Gutachten über den Verkehr der Juden in Polen hat das Schicksal aller meiner Schreibereien erfahren, außer mir, dem Setzer und den etwanigen Recensenten hat es wohl Niemand gelesen. Erfolgt ist meines Wissens darauf nichts. Vielleicht gab es Veranlassung zu der abenteuerlichen Idee eine Juden-Christen-Colonie zu etabliren- 3. Ein Mädchen-ekeäer hat es meines Wissens weder in Berlin, noch irgend anderswo gegeben. . . . Aber auch zu weiblichen Handarbeiten ist nie eine allgemeine Schule errichtet worden, wenigstens habe ich nie von einer gehört. — Meine Unfähigkeit etwas Gediegenes zu beurtheilen oder auszuarbeiten dauert fort und es scheint Zeit für mich die Obolen einzusammeln und den Fährmann abzulehnen". Das junge Geschlecht, das sich gleichfalls in Berlin zu gemeinschaftlicher Thätigkeit zusammenfand, ist die Vereinigung junger Gelehrter und Kaufleute, die sich in dem s. g. Culturverein verbanden (1819—1823). Die Geschichte desselben ist im Wesentlichen nach den von Zunz gelieferten