Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1892
- Issue
- Heft 2
- Article
- Aus L. Zunz' Nachlaß
- Date
- 1892-01-01
- Page
- Seite 257 (sequence 35)
- Language
- German
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Aus L. Zunz' Nachlaß. 357 „Ew. Wohlgeb. statte ich nochmals für den Genuß bei der Prüfung der Schüler in der hiesigen jüdischen Gemeindeschule den verbindlichsten Dank ab. Es ist erstaunlich zu sehen, wie das Gute immer mehr verbreitet wird. Dabei erlaube ich mir eine Bemerkung über das was den geistigen Genuß störte. Es fällt auf, daß die Schüler der untern Klasse noch immer die unbezweiselt falsche polnische Aussprache des Hebräischen beibehalten, und das um so mehr, da die Schüler der obern Klasse die bessere, wenigstens zum Theil, befolgen. Daß die polnische Aussprache unrichtig sei, zeigen, wie Sie wissen, die Schriften der gelehrten alexandrinischen Juden, (in den LXX) Josephus, Philo, Aquila zc. Sie sprechen ^äonai) öaruek ete. Origines Hieronymus ete. von Juden unterrichtet, sagen nie ^äonoi, Loruek, LreisekiZ Koro elaukiiN) sondern ^äonLN, dreseditk, dara elodiin ete. Tie gelehrten portugiesischen, spanischen, franz'ös., ital. Juden haben das Richtige. Warum wollen die Berlinischen und überhaupt die Deutschen nicht das Bessere befolgen? Namentlich Berlin, welches so manches Richtige wieder aufgenommen hat? Es würde denselben unstreitig zur Ehre gereichen, wenn sie auch hierin andern jüd. Gemeinden ein Vorbild würden. Ich will nur einen flüchtigen Blick aus einige Wörter thun, die bis ins 6.—8. Jahrhundert der christl. Zeitrechnung (s. Vul^ata. und deren successive Ausgaben) ganz anders, als jetzt die Polen thun, ausgesprochen wurden, z. B. ^dHak (nicht ^KHok); ^KHadn, nicht ^dHoku; H.dinaäad nicht ^dlrwäod; LdMkat, nicht LHokot; ^diram nicht ^dirom; LdMMar, nicht RHotlior; ^del, nicht Vdel; ^.di-adam, nicht ^drokorn - ^dsedaloM) nicht ^bsekolom; ^Aek, nicht O^ek; ^ssur, nicht O^ur; ^.äani, nicht Oäom; ^äarnak, nicht ^«Zoinok; ^äniak, nicht ^.ämyk; ^Zm.Ttda, nicht ^.änwtdo; ^äon^ali, nicht ^äon^'od; ^.äoni^am, nicht ^Äonikom; ^.äonirain, nicht ^äollirom.. Doch genug aus dem einzigen Buchstaben ^d-^ä, wo Tametö, uon Ze^uente Leliva immer und nicht 0 ist. Das zweite unrichtige der Polen und hier in Berlin Befolgte betrifft die Betonung, welche durch die masorethische AccentuaLion erwiesen ist, also nicht äda-riiv, sondern ädartw; und so alle?1ura1La in im und otk, alle Verden in 2 xers. Miral. ete. also nicht ^t-tliem sondern ktal-tdem u. alles Aehnliche. Nähme ich an der hiesigen Gemeinde Schule weniger Antheil, so würde ich dieses nicht schreiben. Und so stelle ich es Ew. Wohlgeb. anHeim, ob Sie davon einigen Gebrauch machen wollen. Von einigen andern Punkten ein andermal".