Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1892
- Issue
- Heft 2
- Article
- Aus L. Zunz' Nachlaß
- Date
- 1892-01-01
- Page
- Seite 256 (sequence 34)
- Language
- German
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256 Neue Mittheilungen. manschen Rabbiners von Ihnen nicht geschont worden. Wenn Ihre Critik erscheint, wird es einen gewaltigen in seiner Art ganz neuen Kampf geben und das zusammensinkende Gerüste meiner Zeitschrift hat nicht Kraft, den ersten gewaltigen Aussall zu ertragen. Dennoch würde ich diese Bedenklichkeit, ausrichtig gesagt, überwunden haben, wenn nicht die leidige Anonymität, die Sie so streng bewahrt wissen wollen, noch dazu käme. Ich gestehe, daß die Bewahrung derselben mir schon persönlich überaus schwer und unbehaglich gewesen sein würde; denn die Redactionspolitik ist mir völlig fremd; ich bin gewöhnt, Alles offen mit Allen zu besprechen, und nicht Wenige würden Sie errathen und mich bestürmt haben. Aber nun bedenken Sie die Lage der Sache: Ein Verfasser, der sich nicht nennen will, ein unter diesen Umständen moralisch verantwortlicher Herausgeber, der sich unmittelbar nach diesem Streiche zurückzieht und Keinem mehr Rede steht: und das nach einem Angriffe, welcher sieben Achttheile von dem, was in Israel lehrt und predigt, aufbringen und zur Verteidigung auffordern wird. Im Anfang des Jahres würde ich den Handel mit Gottes und Ihrer Hülfe getrost begonnen haben, aber am Ende mag ich nicht eine Verstimmung zurücklassen, die nur durch ein Fortführen der Erörterung, durch zugestandenes Gehör von beiden Seiten gelöst werden könnte. Das sind meine Gründe, die freilich mehr auf individuellem Gefühl als aus einer der Ihrigen entgegenstehenden Ansicht beruhen. Auch war es mir peinlich, die Sache Ihres Verbotes wegen, weder mit Steinheim, noch mit Jsler, noch mit irgend einem andern Bekannten, woran ich so gewöhnt bin, besprechen zu dürfen". Weit weniger als mit jüdischen stand Zunz mit christlichen Gelehrten in Verbindung. Unter diesen mag an erster Stelle einer genannt werden, von dessen Beziehungen zu Juden schon in dieser Zeitschrift die Rede war, der Berliner Gelehrte, Rector des grauen Klosters Bellermann (Ztschr. Bd. IV, S. 75—86). Bei dieser Gelegenheit waren auch die Briefe von Zunz an Bellermann erwähnt und kurz gewürdigt worden (a. a. O. S. 84 fg.). Die im Zunz'schen Nachlasse erhaltenen Schreiben Bellermann's bieten dazu die schönste Erwägung. Es sind 8 Briefe von 1823 bis 1848, amtliche Schriftstücke, Notizen über Bücher, eine höfliche Antwort auf die a. a. O. erwähnte Einladung zu Zunz' Vorlesungen. Der Mittheilnng Werth erscheint mir ein Brief Bellermann's vom 4. Okt. 1827, auf welchen Z. nach seiner handschriftlichen Notiz am 17. Okt. geantwortet hat. (Leider fehlt diese Antwort in der früher gewürdigten Bellermann'schen Sammlung.) Der Brief 4. Okt. 1827 lautet: