Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1892
- Issue
- Heft 2
- Article
- Aus L. Zunz' Nachlaß
- Date
- 1892-01-01
- Page
- Seite 255 (sequence 33)
- Language
- German
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Aus L. Zunz' Nachlaß. 255 „daß bereits, als ich die Arbeit erhielt, das Manuscript für die sämmtlichen 26 Nummern, die erscheinen sollten, zugemessen war, ich aber bereits den Entschluß gefaßt hatte, einen dritten Jahrgang in völlig gleicher Art und Form nicht zu beginnen. Jndeß hätte ich freilich die Critik als ein Beilageblatt dazu drucken lassen können und damit bin ich eben lange Zeit umgegangen. Die Gründe, die mich davon abgehalten, hängen genau mit denen zusammen, die auch eine Beschränkung in der anfangs angegebenen Tendenz und in Folge davon in der äußern Form des Blattes haben als nothwenoig erkennen lassen. Ich habe mich nämlich überzeugt, daß es eine Täuschung war, wenn ich mir einbildete, den Inhalt des Blattes auf eine Partei ausdehnen zu können, in welcher ich weder die Fähigkeit des Producirens noch des Beurtheilens fremder Productionen besitze. Es ist mir klar geworden, daß die Abhängigkeit von dem Zufalle fremder Leistungen die allerunersreulichste für mich, sowie die allerunersprießlichste für das Unternehmen ist, daß unmöglich nach der Entschiedenheit in Form und Charakter des einen Theils, ein anderer aus zusammengewürfelten Arbeiten, ohne einen leitenden Gedanken, ohne Festigkeit der Ansicht und ohne rechte Critik aufgenommen oder zurückgewiesen, bestehen könnte; daß es besser ist, es werde Alles, was das Religiöse, das Innere angeht, besonderen Arbeiten, am besten einer besonderen Zeitschrift, wozu mir aus neuerer Zeit wieder Pläne von verschiedenen Seiten her zur Kunde gelangt sind vorbehalten, als daß es hier wie eine Nebensache stiefmütterlich behandelt werde. Es ist daher schon lange meine Absicht dem Publikum das Halbverfehlte meiner Tendenz zu gestehn und von nun an die Emancipationsfrage allein — im sachlichen und persönlichen Sinn — in zwanglosen Heften, die dazu weit passender sind, zu behandeln. Ihre Arbeit würde demnach die letzte in dieser Beziehung haben sein müssen; jede Erwiderung und weitere Verständigung darüber würde ich aber haben zurückweisen müssen. Sie ist aber durch ihren Inhalt weit mehr dazu geeignet, ein erstes Wort in einem neu beginnenden Streit der Ansichten als ein letztes zu werden; sie hat weit mehr den Charakter der Herausforderung als des literarischen Testaments. Es tritt darin zum ersten Mal in dieser Angelegenheit eine conservative, contrarevolutionäre Ansicht, mit den Waffen der Bildung, des Geistes und des Wissens den Neuerern gegenüber, die bis jetzt in der Literatur — in deutscher Mundart wenigstens — allein ^) das Wort geführt und den Mund gewaltig voll genommen haben; auch ihre Personen sind in der des Wei- „Ich abstrahire hier freilich von Ihrem Buche, das in seiner praktischen OppositiousLendenz wohl den Wenigsten klar geworden". Anmerkung Rießers.