Mannheim
Compact Memory

Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1892-01-01 · Heft 2 · p. Seite 253

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1892
Issue
Heft 2
Article
Aus L. Zunz' Nachlaß
Date
1892-01-01
Page
Seite 253 (sequence 31)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
98% known words query
IRI
…/2259275-2259319-2259322-2265012--2103-2265187
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Aus L. Zunz' Nachlaß. 253 wollen, sammt und sonders viel zu schlecht sind, als daß wir ihnen durch Glauben oder durch Ausklärung, durch Vernunft oder durch Frömmigkeit ein Haar näher kommen, daß wir mithin bei unserer religiösen Entwicklung nur die Wahrheit und unser geistiges Wohl, nicht, wie es heut zu Tage so oft geschieht, unser Verhältnis zum Staat im Auge haben sollen. Nur von dieser Ansicht aus kann ich es entschuldigen, daß ich die Behandlung der Frage der bürgerlichen Gleichstellung unternommen, ohne irgend ein fertiges Religionssystem dazu mitzubringen". Um den Kampf für seine Glaubensgenossen besser führen zu können, begründete Rießer im I. 1832 die Zeitschrift: „Der Jude. Periodische Blätter für Religion und Gewissensfreiheit", von welcher 2 Jahrgänge, jeder zu 26 Nummern, 1832 und 1833 erschienen. Am 29. April 1832 schickte Rießer an Zunz die Ankündigung seines neuen Unternehmens, bat um seine Unterstützung und fuhr dann fort: „Um den Bestrebungen nach einer würdigen rechtlichen Stellung unter den Juden Kraft und Haltung zu geben, ist die Erweckung eines mächtigen Selbstgefühls erforderlich. Worauf soll aber dieses Selbstgefühl beruhen? Auf dem Nationalbewußtsein? Das ist nicht möglich ohne politisches Nationalband. Auf einem esxrit äe eorx8, dessen jede Corporation fähig ist. Der ist heutzutage überhaupt machtlos, da seine beiden extremen Gegensätze, die Individualität und die Menschheit aus seine Kesten an Geltung und Wirksamkeit gewonnen, unter den Juden war er immer mehr ein Geist der Demuth als des Stolzes. Was bleibt also als Mittelpunkt eines edlen Selbstgefühls übrig als unser natürliches Band, die Religion, sür welche wir daher auch aus diesem Grunde schon den Enthusiasmus unter den Anhängern zu beleben suchen müssen". Auf seiner großen Reise in der zweiten Hälfte des Jahres 1832, auf welcher er auch nach Berlin kam, trat Rießer auch Zunz näher (Jster, Rießer's Leben S. 149, der aber unsere Briefe nicht benutzt). Der nächste Brief (20. Febr. 1833) ist daher an Zunz und seine Gattin gerichtet. Rießer enschuldigt sein langes Schweigen, erzählt, daß ihn die z. B. in der „Leipziger Zeitung" veröffentlichte (preußische) Judenordnung fortwährend beschäftige, schwankt, ob er seine Zeitschrift fortsetzen solle und fährt fort: „Mein Altonaer Censor nämlich, der bis vor Kurzem sehr nachsichtig war, ist bei der letzten Nummer mit einem Male sehr streng geworden und hat eine Menge Stellen gestrichen. Ich vermuthe, daß ein Verweis oder etwas Aehnliches ihn dazu veranlaßt haben. Nun habe ich jetzt eine

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.