Mannheim
Compact Memory

Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1892-01-01 · Heft 2 · p. Seite 252

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1892
Issue
Heft 2
Article
Aus L. Zunz' Nachlaß
Date
1892-01-01
Page
Seite 252 (sequence 30)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
98% known words query
IRI
…/2259275-2259319-2259322-2265012--2102-2265186
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

252 Neue Mitteilungen. Studierstube gebannten Einsiedlers kann nicht besser ausgedrückt werden als durch diesen Brief. Die Angriffe gegen Geiger, von denen im Vorstehenden die Rede ist, kamen nicht bles in den Gesprächen der Gäste des Zunz'schen Hauses vor, sondern erscheinen auch in den an Zunz gerichteten Briefen. Ich gedenke nicht dieselben zu wiederholen. Der Kuriosität wegen sei nur darauf hingewiesen, daß ein Breslauer Gelehrter, der am Anfang und am Ende der Amtszeit meines Vaters mit ihm recht befreundet war, in jener Zwischenzeit, in der ein freundschaftliches Verhältniß bedenklich schien, seine bequeme Schwenkung nach rechts vollzogen hatte, alles Ernstes versicherte, Geiger sei kein Jude. Zu dieser schauervollen Mittheilung bediente er sich natürlich hebräischer Lettern. Außer den jüdischen Gelehrten, die mit den Genannten nicht abgeschlossen sind, gehören zu Zunz' Korrespondenten auch die für bürgerliche Gleichstellung thätigen Männer. Aus den Schreiben von A. Bernstein und S. Stern weiß ich nichts Mittheilenswerthes hervorzuheben; aber Gabriel Rieß er's Briefe verlangen und lohnen ein Verweilen. Rießer stand mit Zunz nur in den Jahren 1831—37 in brieflicher Verbindung; der Brief aus dem letztgenannten Jahre ist wenig mehr als ein Empfehlungsschreiben. 1831 war Rießer mit seiner bedeutsamen Schrift „Ueber die Stellung der Bekenner des mosaischen Glaubens in Deutschland. An die Deutschen aller Konfessionen" (Altona 1831) hervorgetreten und hatte sich mit derselben den ersten Platz unter den Borkämpfern für die Verbesserung der bürgerlichen Stellung seiner Glaubensgenossen errungen. Ob Zunz ihm wegen derselben schrieb oder auf welche Weise der Verkehr eingeleitet wurde, ist nicht bekannt. Der erste Brief Rießer's (13. Juni 1831) beweist jedenfalls, daß der Schreiber dem Adressaten nicht sremd ist. Mit demselben schickte Rießer seine Schrift gegen Paulus (Ges. Schriften II, S. 91—195) und forderte Zunz aus, von theologischer Seite Wider den Gegner zu schreiben. Dann fuhr er fort: „Meine Ideen über den Begriff der mosaischen Religion haben, wenn ich mich nicht, was hier sehr leicht möglich ist, darüber täusche, eine feste Grundlage, sind aber noch lange nicht zu der nöthigen Klarheit ausgearbeitet und ermangeln noch viel zu sehr der nöthigen Studien, um einer vollständig genügenden Mittheilung, zu der ich später im Stande zu sein hoffe, fähig zu sein. Vorläufig aber habe ich die feste Ueberzeugung, daß Erörterungen dieser Art von der staatsrechtlichen Frage durchaus geschieden sein müssen, daß unsere politischen Gegner, sie mögen sich stellen wie sie

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.