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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1892-01-01 · Heft 2 · p. Seite 251

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1892
Issue
Heft 2
Article
Aus L. Zunz' Nachlaß
Date
1892-01-01
Page
Seite 251 (sequence 29)
Language
German
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Aus L. Zunz' Nachlaß. 251 sucht auf andere Bahnen zu lenken; er kennt Zorn und Entrüstung und spricht sie aus; er schmeichelt und besänftigt sich selbst durch Ironie. Auch Satire und Spott mögen wol als scharfe Waffen gehandhabt werden; witzlose Ironie möchte ich lieber besternten und unbesternten Correspondenten des „Orient" überlassen. Aber auch befremdlich im höchsten Grade bleibt mir immer das unhistorische Verfahren des Historikers, der in allen Zeiten einen guten Kern zu finden weiß, überall das Streben, wenn er es auch nicht theilt, doch als solches anerkennt und nur auf unsre Zeit zu schmahlen weiß; ob dies historische Gerechtigkeit ist, die ebensofern von Vorliebe, wie von ungünstigem Vorurtheile ist, mag die Geschichte selbst, die am Ende doch das Weltgericht bleibt und übt, entscheiden. Ich weiß es, daß ich Ihnen eine andere Ansicht nicht beibringen kann und es ist die Absicht dieser Zeilen keinesfalls, einen solchen Versuch zu machen oder gar Vorwürfe zu machen; aber ich kann eine an mich gerichtete Aeußerung derartiger spottender Ansichten nicht ohne einen Protest vorübergehen lassen". Am Schlüsse des Briefes heißt es dann: „Nun muß ich Ihrer lieben Frau noch meinen herzlichen Dank ausdrücken für den guten Willen und die wohlwollende Gesinnung, die sie damit gegen mich bekundet, daß „sie oft sich meiner annimmt, wenn ich angegriffen werde", was also wohl auch recht oft geschieht. Wille und Gesinnung sind der tiefere Gehalt des Menschen, und mag mir auch die That überflüssig erscheinen, da mein Leben mich entweder selbst vertheidigen muß oder auch fremde Vertheidigung nichts nützt, so erkenne ich doch die alte ausdauernde Freundlichkeit mit vielem Danke an. „So wünsche ich Ihnen denn volle ungetrübte Heiterkeit, freudiges Wirken, Freude an der Welt und am engeren Kreise. Gottlob, von mir kann ich Solches sagen; ich freue mich, wenn die christlichen Jesuiten herausgetrieben werden und die jüdischen trotz Spektakel und Volksauswiegelung nicht aufkommen, wenn Italien sich freisinnig regt und Luzzatto wissenschaftlich arbeitet; ich nehme Antheil daran, wenn Galizien an tiefen Wunden blutet und freilich um schweren Preis Oesterreich an der Bekämpfung des Fortschritts hindert und wenn Rapoport mit Schimpfen nur Schimpf auf sich zieht und in sich gehen wird. So lebe ich in voller Sympathie nach allen Seiten und thue das Meinige; das giebt, das erhält frischen Lebensmuth". Die frohmuthige selbst durch bittere Erfahrungen und schwere Leiden Gesinnung des mitten im Leben stehenden Kämpfers, im Gegensatz zu de^ ungebrochnen trüben, verbitterten Anschauung des weltabgewendeten in seine

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