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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1892-01-01 · Heft 2 · p. Seite 248

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1892
Issue
Heft 2
Article
Aus L. Zunz' Nachlaß
Date
1892-01-01
Page
Seite 248 (sequence 26)
Language
German
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248 Neue Mitteilungen. „Doch nochmals muß ich den Punkt berühren, den ich früher in einem Briefe an Sie besprochen und den Sie vielleicht zu sehr als Traum eines unerfahrenen Jünglings der Berücksichtigung nicht Werth hielten. Ich wünschte nämlich nun sehr, selbst an die Herausgabe einer Zeitschrist zu gehen, wie ich sie vordem in Vorschlag gebracht. . . . Die Interessen des Judenthums müssen beständig vertreten werden, wodurch allein auch blos die Thätigkeit und rege Lebendigkeit in es hineingebracht wird, die einer jeden Sache, wenn sie nicht endlich in Stagnation gerathen oder — was beim Judenthum vielleicht anwendbar wäre — nicht ewig in derselben bleiben sollen, n'öthig ist. Die politischen Interessen desselben werden vollkommen auf eine würdige, geistvolle und gediegene Weise vertreten durch „den Juden", der, nach dem Erfordernisse politischer Verhandlungen in kurzen Zeiträumen und einzelnen Blättern erscheint. Aber die religiösen Interessen, ach, sie sind ganz verwaist und außer Ihren — ich schmeichle nicht — ist bis jetzt keine Schrift da, die mit wissenschaftlichem Geiste die religiösen Schriften des Judenthums und vorzüglich die historische Entwicklung seiner Litteratur behandelte. Zu verwundern ist es freilich nicht, daß Vernachlässigung derselben oder Mangel an critischem Geiste, dessen wahrlich es bei den so sehr geringen Verarbeiten und bei der Schwierigkeit diese selber zu machen, in solchem Maaße bedarf, uns überall hervorleuchtet, umsomehr da die Arbeiten entweder von gänzlichen Laien oder von praktischen Theologen, denen die Berussgeschäfte und ihre Befähigung hiezu die meiste Zeit und Kraft rauben, ausgehn, ein Stand gelehrter Theolegen bei uns eben ganz vermißt wird. Jedoch würden aber, wenn das Interesse mehr auf die. Sache hingelenkt würde, wenn die Talente, die sich jetzt im Gebiete der Theologie Hervorthun, die Richtung erhalten durch eine solche Führerin, sich gewiß schöne Resultate herausstellen. Die „Sulamith" mag für ihre Zeit und ihren Zweck ganz gut gewesen sein, wo man den Juden etwas von der neu einbrechenden Aufklärung mittheilen wollte und sie den Christen darstellen wollte als Menschen, die sich doch auch anfangen zu machen; aber wir sind seit diesen zwanzig Jahren gewachsen und zwar sehr schnell, wir sind Männer geworden und wollen Männerkost, wir wollen die Wissenschaft. Die dikkure daittiiQ haben ein sehr kleines Publikum wegen ihrer Sprache, auch in ihrer Gediegenheit einen beschränkten Kreis, weil auch die zum Theil noch in ihnen herrschende, von den Nsasiim in sie übergegangene Tendenz, die neu-hebräische Litteratur zu heben, durchaus nicht zeitgemäß ist. Eine Zeitschrift wie die Ihre, die wie Herr vr. Jost sagt, durch Mangel an wissenschaftlichem Sinne sowohl beim Publikum als vorzüglich bei vielen Mitarbeitern eingehen mußte, möchte jetzt nach dem

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