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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1892-01-01 · Heft 2 · p. Seite 245

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1892
Issue
Heft 2
Article
Aus L. Zunz' Nachlaß
Date
1892-01-01
Page
Seite 245 (sequence 23)
Language
German
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Aus L. Zunz' Nachlaß. 245 auf meine Gemeinde erstrecken dürfen und können; aber so Gott will, einst als Gelehrter für wissenschaftliche Bearbeitung jüdischer Denkmale, als Jude für die bürgerliche und religiöse Verbesserung unsrer Glaubensbrüder zu arbeiten, ist ein ganz Andres und muß einst auch meine Pflicht sein außer meinem Amte. Und in einer Zeit, wo Freisinn in einem so hohen Grade herrscht, welch ein würdiges Geschäft! — Welch großer Vortheil aber wäre es, wenn nicht hier nnd dort irgend Jemand einmal etwas dergleichen leistete, sondern wenn des ganzen Israel jüdische Gelehrte sich hierzu verewigten, wenn alle Männer, die Interesse am Judenthum, sei es in religiöser, sei es in geschichtlicher oder bürgerlicher Hinsicht, nehmen, einen Bund schlössen, um ihre Ideen bekannt zu machen! Eine Zeitschrift, die nicht das Gepräge einer gewissen Ansicht an der Stirn trägt, deren Mitarbeiter im Gegentheile Männer selbst der verschiedensten Gesinnung, nur mit Gelehrsamkeit und Eifer für die gute Sache ausgerüstet sind, würde nicht allein wissenschaftlich, vielleicht auch den Juden zur Erlangung von Staatsbürgerrechten nützen, sondern sie würde der ganzen gebildeten Judenheit einen Stützpunkt geben, der Eifer, der in ihr erkaltet ist, welches ihrer Sache einen so großen Schaden zufügt, würde angeregt werden, sie würden gleichsam hierdurch Repräsentanten in jedem auf sie bezüglichen Punkte haben, sie würde eine innere Einheit erlangen, nicht mehr bloß in dem Buhlen um fremde Gunst, sondern in dem Ausbilden der eigenen Kraft ein werthvolles Gut erkennen. Um diesen hohen Zweck zu erreichen, dient aber nicht eine gewöhnliche Zeitschrift, sondern eben eine solche, die eine jede Ansicht umfaßt, welche irgend einem Theile unsrer Brüder angehören mag und sich nur irgend wissenschaftlich darstellen läßt, eine solche die in Gemeinschaft von an Gesinnung wie am Ort auch fernen Juden besorgt wird. — Wenn wir die Gesammtheit der jüdischen Gebildeten betrachten, so finden wir einen Theil und leider eine große Anzahl — als flache Rationalisten, die ohne Liefre Studien und ohne Innigkeit des Gemüths alle Religion für eine Ausgeburt trügerischer Priester oder verrückter Schwärmer betrachten, Alles mit ungeweihter Hand zu zerstören drohen, dann aber doch darum Interesse am Judenthum nehmen, weil sie entweder polemisch dagegen auftreten wollen oder von der alten Zeit herrühren, wo sich doch der von Jugend auf eingeprägte Sinn dafür nicht verwischen läßt oder es sind heuchlerische Rabbiner. Ein andrer Theil steht in hoher Würde da; es sind die geistigen und gemüthlichen Rationalisten, die, zwar nicht dem Positiven Glauben schenkend, dennoch vor ihm als vor der Frucht des menschlichen Geistes Scheu tragend, das Alterthum in seiner erhabnen Einfachheit 16*

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