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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1892-01-01 · Heft 2 · p. Seite 241

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1892
Issue
Heft 2
Article
Aus L. Zunz' Nachlaß
Date
1892-01-01
Page
Seite 241 (sequence 19)
Language
German
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Aus L. Zunz' Nachlaß. 241 Die Briefe der Genannten habe ich nur flüchtig angesehen, ihre Verwerthung mag besser demjenigen überlassen bleiben, der später einmal eine wissenschaftliche Biographie von Zunz zu schreiben unternimmt. Nur von einigen Wenigen soll hier die Rede sein, nicht etwa um sie über die bisher Genannten zu erheben, sondern weil ihre Briefe auch Anderes außer rein gelehrten Notizen enthalten. Den Anfang mache ein Brief des Prager Gelehrten, Prof. Peter Beer, der sich aus die von Zunz ein Jahr lang bekleidete Stelle eines Predigers in Prag bezieht. Die brieflichen Unterhandlungen begannen mit einem Briefe vom 21. Dez. 1834, den Zunz am 9. Jan. 1835 beantwortete. (Ueber Peter Beer vgl. die absprechende Notiz bei Grätz XI, 457.) Der Prager Gelehrte berichtet, daß sich zu der Predigerstelle bereits eine Anzahl Bewerber gemeldet hätten, daß aber Zunz die meiste Aussicht hätte; er gab an, daß das Gehalt 800, die Emolumeme der Stelle 600 fl. betrügen. Zunz erklärte in seinem eben erwähnten Briefe im Allgemeinen seine Geneigtheit, wünschte aber über verschiedene Dinge nähere Aufklärung. Diese erhielt er in folgendem Briese Beers. Prag, 31. Jan. 1835. Aus Ihren beiden werthen Zuschriften ersehe ich mit Vergnügen, daß Sie die Predigerstelle bei unserm Vereine anzunehmen nicht unabgeneigt wären. Nur wünschen Sie zu wissen a) wie die Einrichtung des Synagogenritus sich gestaltet und unter wessen Sanction. d) Ihre Stellung zu demselben sowie Ihre Pflichten und Ihre vorgesetzte geistliche Behörde, e) Mit wem Sie zu contrahiren haben. Ich gebe mir die Ehre diese Punkte in folgendem zu beantworten und zwar aä a. Unser neu zu regulirender Cultus wird vor der Hand sich ganz nach jenem, der in Wien eingeführt ist, richten, d. h. die hebräischen Gebete bleiben die alten. Nur wird der größte Theil des Machsor ausgemerzt, ein Sängerchor und deutsche Predigt eingeführt. Doch kommen auch einige deutsche Gesänge hinzu. Unser Grundsatz ist, der Cultus ist persectibe! und nichts darf zum stehenden Minhag werden, sondern alles bleibt der Verbesserung offen. Uebrigens wird alles durch den Verein selbst mit Berathung des Predigers sanctionirt. aä d. Die Stellung des Predigers zum Verein gleicht jeder Stellung des Predigers zur Gemeinde. Seine Pflichten bestehen in abzuhaltenden Predigten an Sabbat- und Festtagen, Trauungen, Einsegnung der Wöchnerinnen :c. Dieses alles muß erst eingeführt werden. Einer geistlichen Behörde untersteht der Prediger nicht, wohl aber muß ihn die Klugheit leiten.

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