Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1892
- Issue
- Heft 2
- Article
- Aus L. Zunz' Nachlaß
- Date
- 1892-01-01
- Page
- Seite 239 (sequence 17)
- Language
- German
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Aus L. Zunz' Nachlaß. 239 Der zweite der Genannten, Moritz Veit, ist als Buchhändler, Schriftsteller und Politiker bekannt genug. Auch seine Beziehung zu Zunz war eine weit über den Rahmen des geschäftlichen Verkehrs hinausgehende. Was letztern betrifft, so ist darauf hinzuweisen, daß die von Zunz geleitete Bibelübersetzung, sein Werk „Zur Geschichte und Literatur" im Verlag von Veit u. Comp, erschienen. Ueber das langsame Fortschreiten der erstern, über ihren schlechten buchhändlerischen Erfolg enthalten die Briefe manches Interessante. Auch als Aeltester der jüdischen Gemeinde hatte M. Veit mit Zunz dem Seminardirektor geschäftlich und amtlich zu thun und war erfolgreich bemüht, manche Schroffheiten des empfindlichen, leicht erregbaren Mannes zu mildern, manche sich erhebende Schwierigkeiten schon im Keime zu ersticken. Es finden sich ferner in den Briefen literarische Fragen erörtert: von Veits Bemühungen um den Nachlaß Bendavids muß nachher die Rede sein; auch aus Mosers Hinterlassenschaft sandte Veit an Zunz eine auf die Geschichte Francks in Offenbach anspielende Novelle. Endlich bemühte sich Veit, Zunz zur Theilnahme an politischen Verhandlungen, besonders an den Bemühungen zur Besserung der jüdischen Verhältnisse gelegentlich des preußischen vereinigten Landtages zu bewegen. Nach dieser kurzen Andeutung des Inhalts der Veit'schen Briefe soll hier nur ein großes Stück eines Briefes vom 25. Dez. 1836 mitgetheilt werden. Veit schreibt: „Erlauben Sie mir, Ihnen für Ihr Buch „Namen der Juden" meinen herzlichsten Dank auszusprechen. Es erquickt, wie jede reife Frucht des Geistes und der Gelehrsamkeit. Sie haben wieder einmal dargethan, daß die eindringenste Erforschung des Details, den freien Blick über das Ganze, das lebendige Gefühl, die historische Sympathie für die Zustände und Stimmungen der Vergangenheit und Gegenwart nicht ersticken, sondern im Gegentheil erst recht begründen und befestigen müssen. Und wahrhaftig, es ist hohe Zeit, daß auf diesem Felde der Literatur diejenigen Männer als die leaäers o5 tks Opposition hervortreten, die in ihrer sonstigen geistigen Bildung als mustergültige Autoritäten vorangestellt werden können. Denn freilich weder die flache Schönrednerei noch die plumpe Masseugelehrsamkeit können einen Erfolg erreichen, wie Sie ihn bezweckt und erreicht haben: nur die gründlichste Vereinigung von Geist und Gelehrsamkeit, wie sie nur an den Ersten zur Erscheinung kommt, konnten hier die Palme erringen. Aber es ist ja auch nichts Ungewöhnliches, daß Gegensätze, wie sie sich nur in flachen Köpfen herumtreiben und ihren Cours haben, in der Erscheinung höher Begabter in sich selber beseitigt und ausgeglichen sind. Soviel über