Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1892
- Issue
- Heft 2
- Article
- Aus L. Zunz' Nachlaß
- Date
- 1892-01-01
- Page
- Seite 236 (sequence 14)
- Language
- German
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236 Neue Mittheilungen. zunehmen gesonnen ist". Am 19. Sept. berichtet er, daß er an Hardenberg eine neue Eingabe gerichtet habe. Damit ist diese Angelegenheit zu Ende. Etwas damit im Zusammenhang Stehendes erzählt der vorletzte Brief: „Es haben mich die Nettesten und Vorsteher mündlich und schriftlich aufgefordert zur Feier des 18. Okt. am 21. eine Rede in der großen Synagoge zu halten. Das ist nun vorgestern mit vieler Feierlichkeit geschehn unter dem Zuströmen einer ungeheuren Menschenmasse, so daß man wirklich im strengsten Sinne des Wortes keine Nadel zur Erde werfen konnte, da aus der Synagoge auch alle Bänke und sogenannte Ständer weggeschafft waren. Ich sprach über Vaterlandsliebe und zuletzt auch ein Wort zu seiner Zeit über unsern Cultus, über welchen letztern Gegenstand ich mich besonders weit ausließ. Es waren aus Oberschlesien Einige zugegen und von Brieg, das nur 6 Meilen von hier ist, kamen Einige nur in der Absicht herüber um der Feierlichkeit beizuwohnen. Der Eifer für die gute Sache ist durch dies Ereigniß aufs Neue angesacht und auch dies, daß mich die Gegner zu einer Rede schriftlich aufgefordert, ist für uns schon wichtig, wichtiger als die Rede selbst. Ich bitte Sie daher recht sehr, dies dort an den Mann zu bringen, damit man im Ministerium, wo man immer von Spaltungen spricht, von dieser Annäherung erfährt, denn das ists in jedem Falle". Der letzte Brief (24. Okt.) zeigt deutlich, daß Zunz von den Reformbestrebungen zurückgetreten war. Er bezieht sich auf den Culturverein, von dem noch in anderm Zusammenhange die Rede sein muß. „Noch muß ich Sie ersuchen, mir zu erklären, wieso ein Verein für Cultur und Wissenschaft eine so wichtige Angelegenheit, wie unsere Cultussache ist, ganz unberücksichtigt lassen kann und wie dies noch obendrein das Interesse dieses Vereins erfordert". Unter den Buchhändlern, welche sich mit ihren Briefen an Zunz wandten, ist F. A. Brockhaus der bekannteste. Bei ihm ist allerdings nur eine kleine Schrift des Gelehrten, „Deutsche Briefe", 1867 erschienen, aber die Verbindung zwischen Zunz und Brockhaus begann schon im 1.1834. Damals übersandte Zunz für die „Blätter für litterarische Unterhaltung", eine Besprechung der 1833 in Weimar erlassenen neuen gottesdienstlichen Ordnung, die aber als zu lang abgelehnt wurde. (Vgl. unten und Miscellen). Wichtiger waren die Beziehungen zum Brockhaus'schen Conversationslexikon. An der 8. und 9. Auflage desselben arbeitete Zunz eine Anzahl der auf jüdische Litteratur und Geschichte sich beziehenden Artikel neu, andere arbeitete er um, noch andere sah er durch. (Aus den Briefen und Abrechnungen ließe sich eine genaue Liste der Artikel herstellen.) Bei