Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1892
- Issue
- Heft 2
- Article
- Aus L. Zunz' Nachlaß
- Date
- 1892-01-01
- Page
- Seite 233 (sequence 11)
- Language
- German
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Aus L. Zunz' Nachlaß. 233 dem von mir Durchgesehenen, eine Charakteristik des Ganzen zn geben, so wird man sagen können: Es ist eine etwa sieben Jahrzehnte umfassende, mit dem Fortschreiten der Zeit immer geringer werdende Correspondenz zumeist jüdischer Gelehrten, die mit wissenschaftlichen Anfragen sich an Zun; wandten, Berichte über Handschriften und seltene Bücher einsenden. Daneben erscheinen einzelne Freunde des Hauses, die mit harmlosem Geplauder Zunz und seine Gattin unterhalten, ehemalige Schüler, die mit rührender Anhänglichkeit und Treue den früheren Lehrer von ihren Schicksalen unterrichten. Auch Buchhändler treten manchmal aus, die in gelegentlicher oder dauernder Verbindung mit Zunz stehen. Endlich sind auch christliche Gelehrte, Smdirende oder bedeutende Männer unter den Correspondenten, mit Anfragen, Danksagungen, wissenschaftlichen Notizen, geschäftlichen, redactienellen Angelegenheiten und dergl. vertreten. Ein Verzeichniß sämmtlicher Correspondenten zu geben, wäre höchst überflüssig. Ich beschränke mich darauf, einzelne Notizen zusammenzustellen, welche für Zunz' Biographie nicht unwichtig, bisher aber unbeachtet geblieben sind, dann aber einzelne Briefe mitzutheilen, die entweder wegen der Persönlichkeit der Briefschreiber oder wegen des Inhalts der Briefe oder wegen beider von Wichtigkeit sind. Ueber die Briefe, die im Folgenden mitgetheilt werden, ist im Allgemeinen Folgendes zu bemerken. Ich gebe von den Briefen nur das, was inhaltlich wichtig ist. Auslassungen am Anfang oder Ende sind nicht besonders gekennzeichnet, Auslassungen in der Mitte des Briefes sind durch Punkte angedeutet. Der Auszug ist durchaus wortgetreu, Schreibfehler, Verstöße gegen die Interpunktion oder gegen einfache grammatische Regeln sind stillschweigend verbessert; sie verdienen keine Verewigung. Den Anfang mögen einige Notizen zu Zunz' Biographie machen. Ein Briefchen von D. I. Rieß (9. Apr. 1821) meldet Folgendes: „Ich beeile mich Ihnen die eben erhaltene angenehme Nachricht zn ertheilen, daß Ihnen das Staatsbürgerrecht zugesichert ist. Sie werden den Antrag erhalten zu bestimmen, wessen Namen Sie annehmen wollen". (Bedeutet dies die Aenderung des Vornamens Lippmann in Leopold oder was sonst?) Aus einigen Briefen des Hamburger Bresselau (26. Juni 1818 fg.) geht hervor, daß Zunz eine Prediger-Stelle am Hamburger Tempel wünschte. Eine eigentliche Meldung scheint nicht'stattgefunden zu haben; doch waren die privaten Verabredungen soweit gediehen, daß Zunz die Aufforderung erhielt, Anfang August nach Hamburg zu kommen, um dort eine Probepredigt zu halten. Doch hatte die Sache keine praktische Folge. Dem Hamburger Tempel damals und später schenkte Zunz Interesse, wenn