Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1892
- Issue
- Heft 2
- Article
- Aus L. Zunz' Nachlaß
- Date
- 1892-01-01
- Page
- Seite 232 (sequence 10)
- Language
- German
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232 Neue Mittheilungen. „was Dir fehlt. Suche nicht, Dich zu entschuldigen, denn ich bin es, dem Du einst Dank auferlegt hast. Was Du mir ehemals geschenkt, hat bei mir gewuchert; ich bin jetzt reich und angesehen, und schon war ich auf dem Wege, mit allen Kräften Dir beizustehen!" Aber der Mann fiel ihm um den Hals und rief: „O wie beweine ich es, dem Treulosen und dem Schwachen so viel und dem Biederen so wenig Liebe geschenkt zu haben!" Der Mann bist Du, o Mensch! und die Anklage ist die Todesstunde. Der erste Freund, Reichthum, giebt Dir die Leichengewänder; der zweite, der Anverwandte, geleitet Dich zum Grabe; der dritte, die gute That, steht neben Dir, ein Schutzengel vor dem Thron des Weltenrichters. II. Briefe an Zunz. Schon die oben mitgetheilten Kleinigkeiten mögen als Nachlaß bezeichnet werden; denn waren sie auch schon bei Lebzeiten des Autors gedruckt, so waren sie doch mehr als zwei Menschenalter hindurch völlig unbekannt geblieben. Der eigentliche Nachlaß des Schriftstellers sind seine ungedruckt gebliebenen Versuche und Fragmente, seine Tagebücher und die an ihn gerichteten Briefe. Was von den ersteren Abtheilungen erhalten ist, vermag ich jetzt nicht genau anzugeben. Die Briefe dagegen, welche Zunz erhielt, hob er mit jener peinlichen Ordnungsliebe auf, die ihn kennzeichnete. Jedem einzelnen Briefe ist das Datum des Empfangs, den beantworteten noch das Datum der Antwort beigeschrieben. In diesem Falle sind häufig Notizen hinzugefügt, welche dem Empfänger als Anhaltspunkte zur Antwort dienten, manchmal das ganze Concept der Erwiderung. Nicht selten hat Zunz einzelne Briefstellen unterstrichen, die schmeichelhaft für ihn waren oder ihm seltsam dünkten. Einem jugendlichen Heißsporn, der ihn zur Mitarbeit an einer Zeitschrift aufforderte, antwortete er ablehnend und ließ ein paar kühlhöfliche Redensarten einfließen. Diesen stellt er die Worte gegenüber, mit welchen der Zeitungsschreiber feine Abwehr als Anerkennung deutet und benutzt. Ein anderer versichert Z. seine Bewunderung, die Sehnsucht ihn zu sehen; Z. unterstreicht die Stellen und bemerkt am Schluß: „Und doch hat mich Don Pedro bei seinem Aufenthalt in Berlin nicht besucht". Der ganze Briefschatz ist von der Erbin der Zunz-Stiftung geschenkt; die geordneten, nach streng alphabetischer Reihenfolge zusammengelegten Briefe von dieser der Bibliothek der Lehranstalt für Wissenschaft des Judenthums überwiesen worden. Mit Erlaubniß des Curatoriums der Zunz-Stiftung, für welche ich auch an dieser Stelle ergebensten Dank sage, habe ich die Briefe benutzen dürfen. — Wenn es nicht voreilig ist, nach