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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1892-01-01 · Heft 2 · p. Seite 231

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1892
Issue
Heft 2
Article
Aus L. Zunz' Nachlaß
Date
1892-01-01
Page
Seite 231 (sequence 9)
Language
German
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Aus L. Zunz' Nachlaß. 231 die Nuß hin und her, und schlugen sich immer toller, obgleich dieselbe schon zerbrochen umher lag. Da kam eine junge Ziege vorbei. „Halt!" schrie der Haufe, „da naht der Feind, der uns nnsre Nuß rauben will!" und sie fielen über die Ziege hin und tödteten sie. — Gilt es, Ehrliche zu verderben oder zu berauben, dann werden entzweite Schurken plötzlich Brüder. 5. Der Sklave. Ein stolzer Sultan ließ sich Essen auftragen. Der Sklave verschüttete in der Angst etwas davon, und als er das unwillige Gesicht des strengen Gebieters wahrnahm, ergriff er die Schüssel und warf sie an den Boden. „Schlagt ihm den Kopf ab!" rief der Sultan; „wer hieß Dich, dummer Sklave, ein kleines Versehen mit einem großen Verbrechen wieder gut machen?" — „Herr ich kannte Deine Strenge, und sah mich schon verloren, als ich etwas versah. Damit aber das Volk Dich nicht für einen Barbaren halten möge, wenn Du einen armen Diener so gransam bestrafst, habe ich scheinbar eine Widersetzlichkeit begangen, die Dich mm rechtfertigt". — Und der König ward nachdenkend und verzieh ihm. 6. Die drei Freunde. Einst lebte ein Mann, der hatte drei Freunde. Mit dem ersten verkehrte er viel, besuchte ihn täglich, unternahm nichts ohne ihn unv sorgte für sein Gedeihen, wie für seinen eigenen Augapfel. Für den zweiten gab er sich weniger Mühe, doch lud er ihn wohl einmal zu sich, folgte in wichtigen Fällen seinem Rathe und beschenkte ihn nicht selten mit reichen Gaben. Mit dem dritten aber sah er sich selten, und wenn er ihm auch je zuweilen eine Gefälligkeit erwies, blieb er doch meistenteils kalt gegen ihn und zurückgezogen. — Es begab sich aber, daß er in eine schwere Anklage vor dem Fürsten verwickelt wurde, wo ihn nur gute Fürsprache, tüchtige Bürgschaft und eigene Aufopferungen retten konnten. Er ging also schleunig zu seinem ersten Freunde und verlangte dessen Beistand. Dieser aber beklagte: daß die vielen Gönner, die er habe, ihm die Zeit raubten, sür ihn thätig zu sein; ja er müsse befürchten, daß die Gegenwart eines Unglücklichen diese Gönner verscheuchen möchte. Er rieche ihm, sich davon zu machen, wozu er ihm gern mit zwei Kleidern, die ihn unkenntlich machen sollten, behülflich sehn wolle. Traurig verließ ihn der Mann und wandte sich zum zweiten. Dieser weinte mit ihm, stellte aber vor, wie er sich selber nur dadurch in's Unglück stürzen würde: er bäte ihn zu fliehen, er wolle ihn begleiten bis an die Grenze. Fast trostlos kehrte der Mann um und ging zu dem dritten. „Ich weiß schon, Lieber!" rief ihm dieser zu,

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