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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1892-01-01 · Heft 2 · p. Seite 226

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1892
Issue
Heft 2
Article
Aus L. Zunz' Nachlaß
Date
1892-01-01
Page
Seite 226 (sequence 4)
Language
German
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226 Neue Mittheilungen. Seltenheiten gehören, sich aufbewahrt. Ich erinnere mich, die unhandlichen, ziemlich starken, in Papier gebunden Quartbände oft in dem altertümlichen Bücherschranke am linken Fenster der Zunz'schen Wohnstube gesehen zu haben, in jenem Bücherschranke, der hinter seiner Glaswand die ungelehrte Litteratur in ihren alten Ausgaben, in recht altmodischen Einbänden verwahrte und stets meine große Neugierde erregte. Doch haben.sich mir die Pforten dieses ängstlich gehüteten Heiiigthums nur selten geöffnet. Den „Gesellschafter" und Zunz' Arbeiten in demselben lernte ich jedenfalls nicht damals, sondern später kennen, da ich mich intensiver mit Berliner Cultur- und Literaturgeschichte dieses Jahrhunderts zu beschäftigen begann. (Die ersten Jahrgänge benutzte ich theils aus der Bibliothek der Göritz-Lübeckschen Stiftung, theils aus der Königlichen Bibliothek in Berlin.) Als Belletrist versuchte sich Zunz in verschiedenen Arten; nicht in allen mit Glück. Seine Epigramme, die in zahllosen Nummern zerstreut, als Füllsel erschienen, theils Übersetzungen aus der alten und neuen Litteratur, theils selbstständige Dichtungen, sind inhaltlich unbedeutend und metrisch höchst unvollkommen. Sie bleiben daher in der nachfolgenden Auswahl unvertreten. Auch von seinen Erzählungen, welche in diesem Neudrucke das gleiche Schicksal trifft, läßt sich nicht viel Besseres sagen. Zwar ist die Darstellungsweise glatt, den besten Mustern jener Zeit nachgebildet, aber die Stoffe sind uninteressant, die Schilderungen zu weit ausgesponnen. Besser sind seine Aphorismen: die scharfe pointirte Ausdrucksweise, die in Briefen, Schriften und Reden der späteren Zeit dem Zunz'schen Stil ein so unverkennbares Gepräge gab, tritt hier schon hervor; geistreiche Charakteristik der Menschen, scharfe Beobachtung des Lebens machen sich geltend. Die ausführlichsten und interessantesten unter seinen Beiträgen sind seine litterarischen Satiren. Auch von diesen kann ich, ebenso wie von den Aphorismen nur kurze Proben geben, theils weil die ausführlichen zu viel Raum in Anspruch nehmen, theils weil sie in ihren zahlreichen Anspielungen auf Zeitverhältnisse und litterarische Vorkommnisse jener Zeit Erklärungen nöthig machen würden, die einerseits sehr viele Mühe kosten, andererseits Dinge erörtern würden, die dem Zwecke dieser Zeitschrift fernstehen. Bemerkenswerth ist bei diesen litterarischen Satiren der Umstand, daß Zunz eine Kenntniß gewisser Litteraturzweige verräth, die bei ihm überrascht; so findet sich eine ziemlich ausgeführte litterarische Satire „Das Gastmahl" nach Fischart, in welcher in der That Fischart'scher Geist und Fischart'sche Ausdrucksweise mit einigem Glücke nachgeahmt sind. Der Inhalt dieser litterarischen Satiren ist Spott gegen Recensirwesen und Vielschreiberei, gegen manche modegewordenen litterarischen Tendenzen jener Zeit. Bisweilen,

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