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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1892-01-01 · Heft 2 · p. Seite 225

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1892
Issue
Heft 2
Article
Aus L. Zunz' Nachlaß
Date
1892-01-01
Page
Seite 225 (sequence 3)
Language
German
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Aus L. Zunz' Nachlaß. 225 hat aber für jene Periode eine wesentlich andere Bedeutung als gegenwärtig. Es war wirklich die ganze urteilsfähige Bevölkerung vom Hofe bis zum kleinen Handwerker, ohne Unterschied der Berufsarten und der Stände, welche an litterarischen Vorkommnissen sich betheiligte. Man kann sich kaum vorstellen, welches allgemeine und langdauernde Aufsehen gewisse Erscheinungen, wie das Austreten der Sängerin Henriette Sonntag und die ersten publicistischen Erzeugnisse Saphirs in Berlin machten, welchem allseitigen Interesse dieselben begegneten, wie in den Zeitungen, Zeitschriften und zahllosen Brochüren Bewunderer, Gegner, kühle Beobachter das Wort ergriffen. Ein derartiger Eifer, einem allgemeinen Taumel vergleichbar, steckt an. Er dringt — und damit zeigt sich vielleicht am allerentschiedensten seine Wirkung — auch in die Gelehrtenstuben, die damals wie heute sich am stärksten und nachdrücklichsten dem Tageslärm und Straßengeräusche verschlossen. Eine derartige Wirkung übte das litterarische Treiben wohl auch auf Zunz. Dazu kam, daß er jung und als Jüngling empfänglich für äußere Eindrücke, leichten Scherz, rasch gewonnenen Beifall war. Alles dies erklärt die Thatsache, daß er sich, besonders in den Jahren 1817 bis 1819, in denen er bereits seine ersten gelehrten Schriften veröffentlichte, als Prediger thätig war und durch emsige Studien den Grund zu seinem ungewöhnlichen Wissen und seinen in der Geschichte der Wissenschaften Epoche machenden Arbeiten legte, als Belletrist versuchte. Dies geschah zumeist in der von F. W. Gubitz, einem vielseitigen, als Dichter, Schriftsteller, Holzschneider, Buchhändler thätigen Manne, seit 1817 herausgegebenen und Jahrzehnte lang behaupteten Zeitschrift „Der Gesellschafter". Ein Stab von Mitarbeitern, wie er für jene Zeit kaum glänzender gedacht werden kann, versammelte sich um den Leiter. Goethe bezeugte dem Herausgeber seine Achtung und bekundete seine Theilnahme durch einzelne Beiträge, die er schon dem ersten Bande spendete. In den ersten Jahrgängen sind die bekanntesten Schriftsteller mit zahlreichen Beiträgen vertreten: Achim von Armin, Clemens Brentano, Müllner, Wilh. Müller, Fouqu6, Ernst von Honwald. Kurze Zeit später trat Heinrich Heine hinzu. Von den in Berlin ansässigen Schriftstellern oder von denen, die in Berlin und dadurch in einem nicht geringen Theile Deutschlands zur Geltung kommen wollten, gab es keinen, der nicht am „Gesellschafter" mitarbeitete. Zunz' Thätigkeit an dem genannten Blatte, wenn sie sich auch nur auf die ersten Jahrgänge beschränkte, war eine sehr vielseitige. Wie er sorgsam alles aufhob, was sich auf ihn bezog, so hatte er auch die ersten Bände jener Zeitschrift, die übrigens jetzt schon zu den großen litterarischen

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