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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1892-01-01 · Heft 2 · p. Seite 214

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1892
Issue
Heft 2
Article
Jugendarbeiten Ludwig Börne's über jüdische Dinge
Date
1892-01-01
Page
Seite 214 (sequence 21)
Language
German
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214 Neue Mittheilungen. „ihren geschlossenen Gewölbern zum Theil, denn es ist nicht einmal allgemein „wahr, sich hinstellen und den Vorübergehenden ihre Waare anbieten müssen. „Allein diese den jüdischen Kaufleuten höchst lächerliche und kostspielige Methode wird durchaus gänzlich wegfallen, wenn sie veß Anrufens nicht mehr „bedürfen, sondern wenn ihre Waaren Schilder und Musterkarten den Waaren- „suchenden Käufern gleich sagen, daß auch hier Waaren sind". Als hier zu gewährende Jndulgenzen schlug die Spezialcommisfion vor, daß die Juden fortan während der Meßzeiten ihre sämmtlichen Läden sollten öffnen dürfen; außerhalb der Meßzeiten sollten sie ferner — sechs offene Läden haben, jedoch nur in dem neuen Judenquartiere selbst und als eine den Würdigsten zu ertheilende besondere Vergünstigung. Um recht zu würdigen mit einer wie bedächtigen Fortentwicklung die Spezialcommisfion hier vorlieb nehmen wollte, muß man erwägen, daß bereits im Jahre 1697 der Magistrat eine Zulassung von 6 offnen Läden in der Judengasse für angemessen erachtet hatte, daß jedoch die Bethätigung dieser Woblmeinung bei dem schleppenden Rechtsgang in dem folgenden Säkulum noch nicht zur Ausführung gelangt war. Und Eberstein? Er ging aus eben dem gedachten Grunde allerdings gleich von vornherein weiter als die Spezialcommisfion, deren Mitglied er war; in seinem Separatberichte an Dalberg sagte er nämlich: „Es ließe sich demnach fragen, ob nicht, nach einem Umflusse von nun „110 Jahren, beh unverkennbar gestiegener Kultur der jüdischen Nation dahier, „diese Anzahl der offenen Läden in dem künftigen Juden-Quartiere billiger „Weise vermehrt und auf 10 bis 12 erhöht werden könnte?" Klingt das nicht wie eine köstliche Selbstverspottung? Der aufgeklärte Eberstein, stolz darauf, daß an ihm die Ereignisse und Strömungen des großen achtzehnten Jahrhunderts nicht spurlos wie an so vielen Andern vorübergegangen, trägt jenen im strittigen Punkte durch Concedirung — von sechs weiteren Läden Rechnung. Wie vieler Jahrhunderte des Umsturzes hätte es bis zur Gestattung der Oeffnung sämmtlicher Läden darnach bedurft? Dem proponirten Schildkrötengang gegenüber erwies sich hier in der That einmal — ausnahmsweise — die Generalcommission als der Achilles. Sie plävirte dafür, den Juden offne Läven in dem Juden quartier überhaupt und für alle Zeiten zu gestatten. Eberstein, nachdem der Vorschlag gemacht war, schloß sich ihm, feinem Empfinden gemäß, sehr gerne an, und der Fürst willigte ein. Dagegen handelte die Generalcommisston wiederum ein weniges von dem Terrain herunter, welches den Juden dem Herkommen gemäß, außerhalb des eigentlichen Juden-Wohnquartiers für die Znnehabung von Läden nach den Vorschlägen der Specialcommission hätte gestattet werden sollen. Die Specialcommisnon hatte bestimmt, die Juden sollten „wie bisher, in der Fahrgasse, in der Antoni- oder sogenannten Dönges-Gaße bis an die Haasen-Gaße und in der Schnurgaße bis an den Trierischen Hof" Läden und Gewölbe haben dürfen. Die Generalcommission bemerkte, wenn mit den Worten „wie bisher" gemeint sei, daß den Juden keine neue Rechtsbefugniß ertheill werden solle, so würde die Schnurgasse, als auf welche den Juden kein Recht zugestanden habe, auszunehmen sein. So lasse man einfach, erwiderte Eberstein, die Worte „wie bisher" weg: wie auch die Rechtssprüche

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