Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1892
- Issue
- Heft 2
- Article
- Jugendarbeiten Ludwig Börne's über jüdische Dinge
- Date
- 1892-01-01
- Page
- Seite 208 (sequence 15)
- Language
- German
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208 Neue Mittheilungen. „führen, sowie überhaupt jede Erweiterung der Kenntnisse, in dieser Gasse „aus verschiedenen Rücksichten, die hier alle zu erörtern zu weitläufig sehn „würden, nicht möglich ist. Wie überaus kränkend und niederschlagend ist „diese Betrachtung in der Zukunft für mich! Beh meinem innern Trieb „zur Vervollkommnung durch eine äußere Beschränkung zurückgehalten zu „werden, selbst „5tens. Die Erziehung meiner Kinder zu brauchbaren Menschen, welches „mir als Vater sehr nahe am Hertzen liegt, ist in der Zuden-Gasse eine wahre „moralische Unmöglichkeit". „IieetuiQ in Lenatu d. 28. May 1795", heißt die Aufschrift, „et eon olusum. Es findet das Ansuchen keine start". Mitte Juni versucht der Arzt sein Glück von Neuem. „In tiefster Ehrfurcht für die Gesetze; Anordnungen und Beschlüsse eines „Hochedlen und Hochweisen Magistrats, erkühne ich mich unterthänigst in „Bezug meines vielleicht zu allgemein abgefaßten?etiti vom 28t xassaw „nochmals die Milde und Güte und Menschenliebe eines ete. Magistrats „flehentlich dahin zu bewegen, mir durch einen k>eriki38L0Q3schein die Gnade „angedeihen zu lassen, auf eine Zeitlang außer der Zuden-Gasse wohnen zu „dürfen. Ich würde es schon als eine Glückseligkeit meiner Seits, und als „eine hohe Gnade von Seiten eines Hochedlen und Hochweisen AlAAistrats, in „meiner gegenwärtigen bedrängten Lage, ansehen, wenn mir allenfalls die Er- „laubniß, unter der Einschränkung in einem Gast, oder Bier Hause wohnen zu „müßen, ertheilt würde. „Ich bescheide mich gerne, daß ich gegenwärtig noch nicht zu demjenigen „Grade der Vollkommenheit gediehen bin um uneingeschränkt, und unbedingt, „die Gnade Eines Hochedlcn und Hochweisen UaSlstrat8 zu verdienen daß „ich aber mein gantzes Bestreben dahin richte, je mehr und mehr mich dieser „Vollkommenheit zu nähern, um also auch dieser Gnade immer würdiger zu „werden, kann ich bey Gott bezeugen. „Aber so gewiß weiß ich auch, daß auch gegenwärtig schon der Geist so „weiser Stadtgesetze Einen Hochobrigkeitlichen Gnaden Erweisungen nicht ausschließt, da er doch nur einen jüdischen Arzt im strengeren Wortsinn, den „Arzt ohne vertrauten Umgang mit den Wissenschaften, und ohne äußere Bil- „dung in die Grentzen einschließt, in welchen er sich nicht unglücklich fühlt, wenn „dasselbe Gesetz den gebildeteren Staats-Bürger unglücklich machen würde".... „I^eetum in Leuatu d. 11. Zuni 1795 et eonelusum" ist die zweite Antwort. „Solle man das Ansuchen ein für allemal abschlagen"...... Die alte Frankfurter Judengasse ist heute bis auf den Namen verschwunden: und an ihrer Stelle erhebt sich eine freundliche Straße, die zur Ehre Börne's sowie zur Ehre der Namengeber von den Nachfolgern derselben Männer, die dem Arzte ihr „I^ciate oxui sxeravöa" entgegenschleuderten, Börnestraße genannt worden ist. Einer jener versöhnlichen historischen Züge, wie man sie aufzeichnen soll, weil sie geeignet sind, den gegen Unbill und Verfolgung Kämpfenden — wer sie auch seien — Much einzuflößen in schweren Tagen und wie ihnen, schön wie in diesem Falle, nicht allzuhäufig zu begegnen ist.