Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1892
- Issue
- Heft 2
- Article
- Jugendarbeiten Ludwig Börne's über jüdische Dinge
- Date
- 1892-01-01
- Page
- Seite 207 (sequence 14)
- Language
- German
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Schnapper-Arndt: Jugendarbeiten Ludwig Börne's über jüd. Dinge. 207 Die in die Stättigkeit aufgenommenen Paragraphen kommen auf das bereits im Rescript v. 27. Dec. 1806 Enthaltene im Wesentlichen hinaus (s. oben IV, S. 203), nur daß nach diesem ein Anbau auf dem Wollgraben erst „wenn die Zudenschaft darthun würde, daß sie noch zu beengt wohne" concedirt werden sollte. Die §§ lauten: § 101. Um der jüdischen Gemeinde hinlänglich geräumige, reinliche und gesunde Wohnungen zu verschaffen, ist Erstlich verordnet, daß die zum Theil im Schutt liegende Gasse nach einem allgemeinen nach und nach auszuführenden Plane wieder aufgebauet, die solche umschließenden Mauer und Thore aber gänzlich niedergerissen werden sollen. § 102. Zweitens werden der Judenschast noch ein Theil des sogenannten Wollgrabens, sodann das ehemalige Dominikaner-Kloster, das Kompostell und der Frohnhof zu größerer Ausbreitung in billigen Preisen überlassen werden. Welches zusammen das Quartier der Juden-Gemeinde künftighin ausmacht. Zum Schlüsse sei hier das Wesentlichste aus zwei ganz kurz vor dem Brande, nämlich im Jahre 1795, verfaßten Bittschriften des jüdischen Arztes vr. H. Goldschmidt „um gnädigste Erlaubniß auserhalb der Judengasse wohnen zu dürfen" mitgetheilt Dieselben geben in ihrer naiven, demüthigen Fassung ein ergreifendes Bild von den nach allen Richtungen hin entwürdigenden Folgen der über die Juden verhängten Absperrung; sie lassen uns den Zorn eines Börne, als er sah, wie auch die neue Zeit die Ketten nur erleichtern, nicht abnehmen, den moralischen Schimpf also bestehen lassen wollte, um so besser verstehen. In seiner ersten Schrist giebt der Arzt, welcher seit 3 Jahren etablirt ist, als Gründe seines Gesuches die folgenden an: „Istens befindet sich gegenwärtig in der gantzen Judengasse keine Gelegen- „heit, in welcher ich als Arzt leben könnte. „2tens. Da ich von Jugend auf das Glück genossen habe unter krist- „liche Bürger erzogen zu werden, wo ich mich gantz der Litteratur und den „Wissenschaften widmete; so wäre es äußerst kränkend und betrübt für mich „in der ferneren Oultur meiner Kunst, und dem Bestreben meinen Neben- „Menschen nützlich zu werden, durch die allgemeine Einschränkung, in der „Judengasse wohnen zu müssen, verhindert zu werden. „3tens. Ich war selbst bis jetzt genöthigt meine Lidllotkse und meine „sonstige litterarische Sammlungen in einem geräumigen Zimmer außerhalb „der Juden-Gasse, mit nicht geringen Kosten zu unterhalten. Dieses auch „ferner zu thun, da ich meine eigene Wirthschaft antrete, würde nicht nur „meine oekonomische Umstände äerevKireu, sondern auch meine litterarische „Arbeiten wie leicht einzusehen, äußerst erschweren. „4tens wurde ich von einigen Litteratur Freunden aufgefordert, ihnen, „als ein treuer Schüler von Kant ein eollsAwm über Kantische Phylosophie „zu lesen, dieses läßt sich aber schlechterdings in der Zudengasse nicht aus- ') Fftr. Stadtarchiv. IIZId. v. 33 aä No. 65.