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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1892-01-01 · Heft 2 · p. Seite 206

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1892
Issue
Heft 2
Article
Jugendarbeiten Ludwig Börne's über jüdische Dinge
Date
1892-01-01
Page
Seite 206 (sequence 13)
Language
German
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206 Neue Mittheilungen. „fordern eine jede richtig handelnde Polizeh auf, diese Häuser samt und sonders „ex oküolo niederreißen zu lassen. — „Wenn man den hiesigen Juden Unredlichkeit und Schmutz vorwirft, so „liegt eine sehr bedeutende Entschuldigung für sie in dem Bau und der Enge „ihrer jetzigen Wohnungen, und ich kann den frommen Wunsch nicht unterdrücken, es möchte jeder menschenfeindliche Schreyer, deren es dahier, zur „Schande des Christenthums und der Kultur, selbst unter den höheren Ständen, „noch so viele giebt, verurtheilt werden, in einem solchen Juden-Stall dreh „bis vier Jahre wohnen zu müssen; ich wette, sie würden ebenso unreinlich, „schmutzig und verwildert herauskommen, als es die Juden nur immer seyn „mögen! — Bei allen Vorwürfen, welche diese christliche Juden den beschnittenen Juden machen, vergehen sie immer, wie ungerecht es sehe, jemanden „zuerst Hände und Füße zusammenzubinden, und ihm sodann vorzuwerfen, er „wolle nicht gehen!" — Wie in der Einleitung bemerkt, hatte Eberstein die Einführung von Dispensen vom Ghettozwange für verdiente Personen gewünscht; was die Judenschast anlangt, so hatte diese gegen eine Verschlechterung ihres Besitzstandes so wie er sich seit dem Brande von 1796 herausgebildet, fortwährend lebhaft protestirt und auf die hohe sittliche Bedeutung gerade des Zusammenwohnens von Juden und Christen hingewiesen. „Die jüdische Gemeinde", heißt es in der in Paris überreichten Petition „vom 15. Februar 1808, wohnt seit dem Monate ^JuN^) 1796 bei weitem „zum größeren Theil in Bürgerhäusern in der Stadt .... Die erklärtesten „Feinde der jüdischen Nation werden nicht in Abrede stellen, daß in diesen „11 Jahren auch nicht die leiseste Beschwerve von einem Bürger gegen seinen „jüdischen Miethmann oder von einem bürgerlichen Nachbar geführt worden „wäre .... Vielmehr herrscht zwischen den christlichen Hauseigenthümern „und den jüdischen Miethern gleichwie seit Jahrhunderten bei den Waarenläden „auch hier die glücklichste Eintracht und die Annäherung beider Nationen hat „als einander sich bedürfender Menschen seit jener Zeit einen sehr hohen Grad „erreicht, und die Kultur und Bildung der sonst so scharf abgesonderten und „isolirten jüdischen Jugend ungemein befördert und auf eine höchst wohlthätige „Stufe gebracht". Auch auf einen vom Magistrat 1805 an den deutschen Kaiser erstatteten Ofstcialbericht hatte die Judenschaft vielfach verwiesen, in welchem ersterer sich lebhaft gegen die judenfeindllchen Ansinnen der bürgerlichen Collegien ausgesprochen und u. A. selbst geäußert habe: „Die Erfahrung habe seit 1796 gelehrt, daß das Wohnen einer Anzahl Juden unter den Christen zur Reinlichkeit und sittlichen Verbeßerung der ersteren und besonders der jüdischen Jugend, so wie zur Duldsamkeit und zum Ablegen verjährter Vorurtheile auf Seiten der christlichen Einwohner sehr vieles behgetragen". Dieses Ofsicialberichts geschieht als eines sehr „menschenfreundlich" gehaltenen in den Schriften der Judenschaft überhaupt öfter Erwähnung. ') Die Lücke im Original hier ergänzt.

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