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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1892-01-01 · Heft 2 · p. Seite 205

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1892
Issue
Heft 2
Article
Jugendarbeiten Ludwig Börne's über jüdische Dinge
Date
1892-01-01
Page
Seite 205 (sequence 12)
Language
German
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Schnapper-Arndt: Jugendarbeiten Ludwig BLrne's über jüd. Dinge. 205 keit aufgehoben. Aber aufgehoben war durch eben diese — der ganze jüdische Wein Handel überhaupt (s. Ercurs 4.) mit Uebergehung aller in der alten Stättigkeit ihnen ehedem vergönnten Modistkationen", wie C. F. Steitz, der die Sache des Rentamts führt, bemerkt. Wenn nun der Weinhandel überhaupt den Juden verboten ist, so argumentirte Steitz weiter, dann kann auch die verordnete Gleichhaltung in der Abrentung sich nicht auf diesen Handel erstrecken; sie kann ja nur — und dabei berief er sich auf denselben § 118 — für den ihnen erlaubten Handel gelten. Abgelöst ist also nur die höhere Abrentung des Eigenconsums der Juden und wenn Jemand, wie Rindskopf, in einem Sonderfalle Dispens zu einem Wein geschäst erhält, dann dürfen und müssen wir auch die von verbotenem Handel ja nicht aufgehobenen Gebühren fordern. Seeger und Eberstein fanden (in einem sehr scharf gehaltenen, besonders Nr. 28 des Protokolls hervorhebenden Berichte vom 4. Juni) diese merkwürdigen Ausführungen sehr unbefriedigend und wunderten sich, wie der Senat und das Rentenamt von ihnen habe Gebrauch machen mögen; nicht so Graf Beust, der — sonst selten eine Sonderansicht bekundend — lebhaft für das Rentenamt in die Schranken trat und den Souverän zu sich herüberzog. A 2. Ghetto und Judenquartier. Die Schilderung der alten Frankfurter Judengasse bildet unzweifelhaft eine der Glanzparthieen des Börne'schen Aufsatzes: eine Betrachtung ähnlicher Natur macht, merkwürdig genug, gleichfalls die beredteste Stelle aus in den Berichten— des Redakteurs der Stättigkeit, des Frhrn. von Eberstein. In seinem Separatbericht über die Arbeiten der Specialcommission, in dem er versucht, das nicht ohne seine Mitschuld Verdorbene einigermaaßen wieder gut zu machen, äußert sich Eberstein wie folgt: „Endlich muß ich Eurer Hoheit im Gefühle der wirklich dringenden Roth „unthgst. bemerken, daß ich um mich persönlich zu überzeugen, die kleinen „Gäßchen der Judengasse durchgegangen bin; und ich kann auf Ehre betheuern, „daß diese und die darinn befindliche sogenannte Häuser eher Ställen oder „höchstens Räuberhöhlen, als menschlichen Wohnungen ähnlich find. — Die „stündliche Feuersgefahr (mobey alle Rettung unmöglich sein würde), der Ge- „stank und die verderbte Lust, beh welchen es ein wahres Wunder ist, daß „nicht schon längst die Pest in diesem Aufenthalt der Unreinlichkeit ausgebrochen isN), der Nachtheil für Leben und Gesundheit, der hier so offenbar „erscheint, haben schon längst die gegründete Kritik der Beobachter erregt, und Nicht gerade über Unreinlichkeit klagt die dem Fürsten Dalberg überreichte IV, 214 oben citirte Denkschrift: „Trotz dem engen Lokal, welches dem größten Theil der hiesigen Juden zur Wohnung angewiesen ist, herrscht doch in der Judengasse viel Reinlichkeit. Die Gasse ist von außen ziemlich sauber und im Innern der Häuser bemerkt man auch bei den meisten viel Proprietät in ihren Kleidern und Hausgeräthen".

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