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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1892-01-01 · Heft 2 · p. Seite 200

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1892
Issue
Heft 2
Article
Jugendarbeiten Ludwig Börne's über jüdische Dinge
Date
1892-01-01
Page
Seite 200 (sequence 7)
Language
German
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200 Neue Mittheilungen. 17. „Das, was die Juden für ihre Reisepässe sonst mehr als die Christen zu bezahlen gehabt haben". Für einen kleinen bezw. einen großen Paß zahlten Bürger und Fremde 6 bezw. 12 Kreuzer, Juden aber 10 bezw. 20 Kreuzer. Für das fragliche Plus rechnet Sr. ohne weiter Unterlage 200 fl. 18. „Die bisher herkömmlich gewesenen Meßgeschenke." Von den Juden auf ff. 596 :42 veranschlagt. 19. „Die bisher herkömmlich gewesenen Neujahrsgeschenke". St. giebt ein auf Mittheilungen der Judenschaft beruhendes Verzeichniß dieser Geschenke, das eine außerordentliche Menge von Posten im Gesammtbetrage von fl. 1014:51 umfaßt. Obenan steht der Stadtfchultheiß mit 6 Conventionsthalern — fl. 14 : 24, dann folgen Bürgermeister, Schöffen und L^uäiei und ihnen nach ein unabsehbarer Zug städtischer Angestellten bis herab zum Heizer im Römer und zum Mehlträger. Manche erscheinen in Familienbegleitung, so der Keller (Verwalter) im Römer mit Frau und Magd, er selbst nämlich mit fl. 2 : 24, die Frau mit fl. 1 : 12 und die Magd mit einem Sechsbäzner. Neben dem Stöcker, der die Tod bringende rauhe Hand nach 30 Kreuzern ausstreckt, gehen die in's Leben fördernden Hebammen einher, 3 fl. empfangend. Minerva fordert als Göttin des Krieges wie der Weisheit, in jener Eigenschaft anspruchsvoller als in dieser. Das Militär nimmt nämlich fl. 290 in Anspruch (dabei der Garnisons-Lampenfüller 30 Kreuzer), wogegen Prediger, Nector, 7 Präceptoren, 21 Schulmeister und ein Vorsteher die Uebungen des Friedens mit fl. 100: 33 vertreten. Die großen Schüler erhalten fl. 3 : 36, die kleinen fl. 1: 30.---Daß doch, wer so zu Beginn jedes neuen Jahres das Füllhorn seiner Gaben ausschütten durste, so viele Feinde haben mußte! Bezüglich der Meßgeschenke (Nr. 18) ist mir eine gleich genaue Detaillirung nicht zu Gesicht gekommen: jedenfalls befanden sich unter ihnen 80 Thaler für die Bürgermeister (jedem 20 Thaler messentlich) und 4 Thaler an den Schatzungsschreiber. Da die Neujahrs- und Meßgeschenke nicht in das Aerar flössen, sondern den Bedachten selbst gegeben wurden, so ist über sie aus den städtischen Rechenbüchern nichts zu entnehmen ^). Zweifellos reichen sie indeß, wenigstens theilweise, sehr weit zurück. Als in den ersten Jahrzehnten des vorigen Jahrhunderts gelegentlich der Verhandlungen der kaiserlichen Commission Ermittelungen über „^eeiÄensien und Oomxeteuren" der städtischen Beamten angestellt wurden, erhielt man von einer großen Anzahl solcher Personen Angaben über bezogene Neujahrsgeschenke; in den Parthieen der verbesserten Visitationsordnung von 1725, die mit Dies ist gegenüber der Kracauer'schen, mehrfach zu vervollständigenden, Aufstellung jüdischer Steuern zur Zeit des dreißigjährigen Kriegs (III, 337 ff. dieser Zeitschrift) zu beachten.

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