Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1892
- Issue
- Heft 2
- Article
- Hebräische Drucke in Deutschland
- Date
- 1892-01-01
- Page
- Seite 176 (sequence 23)
- Language
- German
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176 Steinschneider: Hebräische Drucke in Deutschland. Es scheint, als ob die Presse mit den Jahren 1790, 1791 überhaupt ihren Höhepunkt überschritten habe. Ob die Streitigkeiten dazu beitrugen? ob der Vortheil hinter den Erwartungen zurückblieb? — Am 5. August 1792 constituirte sich in Berlin, nach einem Aufruf vom 12. Januar die.Gesellschaft der Freundes. In dem Entwurf der Statuten (Z 5, bei Lesser S. 10) heißt es: Alle Bücher, Quittungen, Protocolle zc. müssen in deutscher Schrift und Sprache abgefaßt werden. Wenn ich mich recht erinnere, schreibt das Generalprivilegium von 1750 dasselbe allen Geschäftsbüchern der Juden vor, offenbar aus juridischen und criminalistischen Rücksichten. Die Gründer der Gesellschaft wollen überhaupt das Deutsche als alleiniges Organ anwenden, wie sie auch, nach der ersten Rede Joseph Mendelssohns (bei Lesser S. 10), sich zunächst aus „Freierdenkenden" rekrutirte; die Sprache war aber ein Schibboleth geworden; das Streben der reformirenden Hebraisten verlor in Berlin den Boden, und ihre Anhänger, resp. Nachfolger, benutzten anderweitige Pressen. Selbst der „Sammler" feierte 3 Jahre und wanderte im VII. Bande (1794—97) mit Löwe und Wolfssohn nach Breslau, nachdem wahrscheinlich Differenzen mit Satan ow eingetreten waren (s. unten). 1793 brachte ein Werk, das bis in unsere Zeit Gegenstand der Controverse geblieben. Unter dem Namen Jsak de Molina gab Saul Berlin, Rabb. in Frankfurt a. O. (gest. in London 1794), Sohn des Berliner Rabb. Hirschel (Löbel Levin), Gutachten (LesamLm Rosek) mit einem Commentar heraus, worin neuere Ideen und Ausdrücke zu erkennen sind (Das Exemplar der k. Bibliothek hat viele Randbemerkungen ms.). Unter den nicht sehr zahlreichen Subskribenten zeichnet Abraham b. Josia auf fünfzig Exemplaren. Die Literatur über dieses Buch verzeichnet Landshuth S. 99—105 bis zur entscheidenden Kritik von Zunz (1859). Eine Notiz über letztere, welche Jost (Gesch. d. Judenth. III, 396) gegeben, und die ich in meinem Handbuch, S. XXXII, theilweise charakterisirt habe, soll hier nur in Bezug auf einen Punkt beleuchtet werden. Jost bezeichnet als L. Lesser, Chronik d. Ges. d. Fr. 1342, S. 10—16; nach Grätz XI, 168 „eine krankhafte Erscheinung"; L. Geiger, Gesch. I, 115, II, 153. Lesser weist den Wahlspruch „Nach Wahrheit forschen" u. s. w. in Mendelssohns Anmerk. zu Abbt's Correspondenz (1782 S. 42) nach. Die k. Bibliothek besitzt 3 Autographen Mendelssohns aus der Radowitz'schen Sammlung (Berzeichniß der von I. v. Rad. hinterlassenen Autographensammlung, Leipzig, Weigel 1864, S. 441 n. 5927—29). N. 5927 enthält auf einer Seite einen Denkspruch von Schlosser, auf der anderen steht: „Bestimmung des Menschen: Wahrheit erkennen u. s. w. Berlin 1. Febr. 1781. Zum geneigten Andenken, ergebenst Moses Mendelssohn".