Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1892
- Issue
- Heft 2
- Article
- Lehrerseminare in Galizien - Tumult gegen die Juden in Prag
- Date
- 1892-01-01
- Page
- Seite 150 (sequence 5)
- Language
- German
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150 Wolf: Lehrerseminare in Galizieu. — Tumult gegen die Juden in Prag. Die Hofkanzlei stimmte diesen Ansichten bei und befürwortete, dem Gubernium die Ausführung dieser Pläne aufzutragen. Die Staatsräthe Eger, Jzdenczy, Reischach und Hatzfeld genehmigten den Vorschlag und Kaiser Franz resolvirte 3. Mai 1792 in diesem Sinne. Wie man jedoch weiß, wurde, trotzdem daß sämmtliche Instanzen sich für die Errichtung eines Lehrerseminars ausgesprochen hatten und der Kaiser diesen Vorschlag genehmigte, dieses Institut zum großen Schaden der Sache dann doch nicht ins Leben gerufen. Es ereignete sich in diesem Falle zur Zeit des absoluten Regimes dasselbe, was zur Zeit der constitntionellen Aera in Betreff der zu errichtenden Rabbinerschule geschah, daß nämlich, wie wir anführten, die kaiserl. Resolution vom 18. August 1870 unausgeführt blieb. Wir kommen nun zu dem zweiten Punkte, nämlich zu dem Memoire, das Homberg 1794 verfaßte. Dieses Memoire wurde nicht spontan vei> faßt, es wurde auf Verlangen des Kaisers von Homberg verlangt. Der Sachverhalt war wie folgt: In meiner Schrift „Zur Culturgeschichte" machte ich auf folgendes Moment aufmerksam: Während das von Josef II. den Protestanten ertheilte Teleranzpatent die Volksschichten geradezu aufwühlte, so daß eS an vielen Orten zu blutigen Excessen kam, die nur durch die MilitärgewalL niedergehalten werden konnten, ist es nicht bekannt, daß das den Inden ertheilte Toleranzpatent auch nur die leiseste Aufregung hervorgerufen hätte. Auch in den Acten findet sich nicht das Geringste vor. Wir glaubten uns diese Thatsache in folgender Weise zu erklären: Das den Protestanten ertheilte Toleranzvatent machte sie sofort concurrenzfähig mit den Katholiken; hingegen hatten die Rechte, die den Juden zugestanden wurden, zunächst bloß einen akademischen Werth. Es wurde ihnen beispielsweise ausdrücklich gestattet, die Hochschulen zu besuchen. Wie jedoch natürlich brauchte es längere Zeit, bis Juden Doctoren der Medicin oder der Jurisprudenz wurden. Die Juden durften nach dem Toleranzpatente zahlreiche Handwerke treiben, die ihnen bis dahin nicht gestattet waren, aber selbstverändlich verging längere Zeit, bis sie dieselben erlernt hatten u. s. w. Sofort schadete daher die den Juden gewährte Toleranz nicht den Christen. Als jedoch die Juden von den ihnen eingeräumten Rechten Gebrauch machten, da war dies den Christen ganz und gar nicht recht. So fanden wir eine Eingabe von Prager christlichen Kausleuten aus dem Jahre 1791, in welcher ausgesprochen wird, es seien Nachstellungen auf das Leben der Christen zu fürchten, weil die Juden sich auch auf das Studium der Medicin und Chirurgie verlegen und Rosoglio und Eßwaaren verkaufen.